Computer-Magazin

 
celeco - Richtig lesen lernen - Diagnose und Therapie von Legasthenie und anderen Lesestörungen (2004)

Das Programm ist im Jahre 2005 für den "Deutschen Bildungssoftware Preis" (digita) nominiert worden.

Version: 1.5.1.16
Das Computer-Magazin hat das sogenannte "Übungs-Set" getestet.

Systemvoraussetzungen:
Windows 95/98/NT 4.0, ME, 2000, XP,
Pentium 100 MHz, 32 MB RAM, 256 Farben bei 800 x 600 Bildpunkten, empfohlen 1024 x 768 Bildpunkte, CD-ROM-Laufwerk

Preise:
Version für Eltern/Schüler/innen (unbefristet für 1 PC) 99 Euro
Schullizenzen (unbefristet für Schulstandort) 399 Euro

Version für Therapeut/innen und Fachbetreuer/innen:
Jahreslizenz für 1 PC: 99 Euro
Lizenz für 100 Betriebsstunden (verteilt auf beliebig viele PCs: 99 Euro
Unbefristete Lizenz für 1 PC: 299 Euro

Entwicklung: 
Der Münchener Neuropsychologe Reinhard Werth vom dortigen universitären Institut für soziale Pädiatrie und Jugendmedizin hat celeco entwickelt. Er hat in seinen Forschungen 14 Untergruppen von Lesestörungen entwickelt - das PC-Lernprogramm soll helfen, die Störung zu diagnostizieren und durch Übungen anzugehen. 

Bezugsquellen:
celeco GmbH
Postfach 600500
81205 München
T 089-82006916
E-Mail: info@celeco.com
Internet: celeco.de oder celeco.com

Installation:
Nach Einlegen der CD-ROM wird die Installationsroutine automatisch gestartet und verläuft problemlos. Das celeco-Symbolbild wird auf dem Desktop abgelegt und somit kann das Programm problemlos ohne große Suchaktionen gestartet werden.

Inhalte: 
Wie dem nachfolgenden Screenshot zu entnehmen ist, bestehen die Hauptelemente des Programms aus:

  • Übungen zum "Erkennen auf einen Blick"
  • Übungen zum "Erkennen nach Blicksprung"
  • Übungen zum "Texte lesen"
  • Übungsmaterial selbst erstellen
  • Hausaufgaben bearbeiten




Die Übungen im Einzelnen

Erkennen auf einen Blick: Hier soll das gleichzeitige Erkennen mehrerer Buchstaben geübt werden. Als Gesamtziel und Voraussetzung für flüssiges Lesen sollen - nach R. Werth - die Lesenden wenigstens vier Buchstaben "auf einen Blick" erkennen und bei einer Einblendzeit von etwa 200-300 ms aussprechen können. Der Ablauf der Übung differiert je nach den Einstellungen:

  • Betreutes Lernen
  • Selbstständiges Lernen (Auswahl)
  • Selbstständiges Lernen (Eingabe)
Zunächst erscheint eine Markierung, auf die die Lesenden ihren Blick fixieren sollen. Durch Drücken der Leertaste erfolgt die kurzzeitige Einblendung eines Buchstabens, Worts der Phantasie-Worts. Unmittelbar daran sprechen die Lesenden laut und deutlich aus, was sie erkannt haben. (Variation betreutes Lernen). Bei den anderen Lernvarianten wählen die Lesenden nach der Einblendung entweder aus einer Auswahl das Richtige aus oder schreiben das Gesehene nach.
 


(Bild: Variante selbstständiges Üben unter Verwendung des Auswahlverfahren)

Der Schwierigkeitsgrad der Übung wird bestimmt durch die Auswahl der Wortliste (Länge und Schwierigkeit der Wörter) sowie die gewählten Einstellungen (Dauer der Einblendung, Farbe der Markierung und Farbe des Texthintergrundes oder - was wir als sehr wichtige Programmfunktion ansehen - Einstellung der Schriftgröße). Die Einblendezeit ist so zu wählen (zwischen 50 und 1000 Millisekunden), dass die Inhalte mit einem Blick und nicht buchstabierend erkannt werden können.

Erkennen nach Blicksprung: (Variante 1)
Mit Hilfe dieser Übung wird Erkennen und richtiges Benennen von Buchstaben / Buchstabengruppen nach Blicksprung geübt. Zunächst wird in der linken Bildhälfte eine leere, farbig hinterlegte Fixationsmarke präsentiert, die vom Lesenden fixiert werden soll. Durch Drücken der LEERTASTE erscheint/en auf der rechten Bildhälfte ein/mehrere Buchstaben. Die Lesenden sollen zu diesen Buchstaben blicken, d.h. einen Blicksprung ausführen und das dargestellte Wortsegment laut vorlesen. Dieses Vorgehen wird mit immer kürzeren Pausen- und Darbietungszeiten wiederholt.
 

Es stehen drei Übungsmodi zu Verfügung: Im betreuten Modus kontrollieren die Betreuenden die Richtigkeit, im selbständigen Modus üben die  Lernenden alleine und der Computer stellt die Richtigkeit fest.
Im Übungsmodus "Selbstständig Auswahl" stellt der Computer einige Wörter zur Auswahl. Der Schüler soll das vorher gezeigte Wort anklicken.
Im Übungsmodus "Selbstständig Eingabe" soll der Schüler die Schreibweise der vorher gezeigten Wörter wiedergeben, indem er das Wort eintippt.

Erkennen nach Blicksprung: (Variante 2)
Ähnlich wie die Variante 1 - dabei wird die Erkennungsleistung durch ein zuvor fixiertes Wort erschwert. Konkret: die in Variante 1 leere Fixationsmarke wird jetzt in einen Buchstaben/eine Buchstabenkombination 'versteckt'. Der weitere Verlauf der Übung sowie die Übungstypen sind gleich wie in Variante 1.
 

Hintergrund und Zielsetzung des Übungstyps "Blicksprung": es soll untersucht werden, ob die zuvor festgestellten Einzelleistungen Fixieren, ganzheitliches Erkennen von mehreren Buchstaben und zeitnaher Abruf und zeitnahes Aussprechen des Gesehenen auch noch nach einem erfolgten Blicksprung (als Grundlage des Lesens von Texten) gegeben sind. 

Texte lesen
Vorbemerkung: dieser Übungstyp ist für alle Lernenden der schwierigste, denn das Lesen von Texten baut auf die zuvor einzeln geübten Teilleistungen auf und erfordert deren koordinierte fehlerfreie Abfolge.
Die Lernenden sollten zunächst mit der Lesestufe "Blicksprünge der Lesenden beim Lesen führen" beginnen.
Liest der Lernende schneller als durch den Cursor vorgegeben und macht dabei entsprechende Fehler, so sollte der Text rechts ausgeblendet werden.  Wählen Sie hierzu die Lesestufe " Zu frühen Blicksprung verhindern". Liest der Schüler stockend, korrigiert bereits gelesene Wörter häufig, so sollte der Text links ausgeblendet werden.  Wählen Sie hierzu die Lesestufe " Regressionen verhindern".
Im Rahmen dieser Übungen können wiederum Einstellungen vorgenommen werden: Texte nach verschiedenen Schwierigkeitsstufen, Lesegeschwindigkeit - eingestellt werden kann der automatische Blicksprung nach eingestellter Zeit oder auch der manuell ausgelöste Blicksprung  über die Tastatursteuerung; Segmentierung der lesenden Einheiten von zwei Buchstaben über Silben bis ganzen Wörtern, Kontrast Text (Schärfe des Textes), Kontrast Lesetextcursor (Hervorhebung des Lesebereiches).
Im Übungsteil "Texte lesen" gibt es eine Belohnung in der Form, dass die Lesenden Punkte erhalten, die im Sammelbilder umgetauscht werden. Dies ist eine nette Sache zur Motivationsstärkung

Fehlerrückmeldungen - Lernerfolgskontrollen
In den Übungsteilen "Erkennen auf einen Blick" und "Blicksprung" wird am Ende der Übung eine animierte Balkenstatistik aufgebaut, die die Anzahl der richtig und falsch bearbeiteten Übungen anzeigt. 
Das Programm stellt aber noch eine weitere, sehr sinnvolle Funktion bereit: die vom Lesenden falsch ausgewählten bzw. eingetippten Wörter werden im roten Ordner "zu wiederholende Wörter" gespeichert. Der Ordner wird automatisch generiert. Bei richtiger Eingabe werden die Wörter automatisch wieder entfernt.

Wortlisten-/Lesetext-Editor
celeco bietet die Möglichkeit, eigene Wortlisten und Lesetexte zu integrieren. 

Bedienung/Navigation/technische Zuverlässigkeit 
Das Programm ist sehr einfach zu bedienen. Die Baumstruktur im linken Fenster erleichtert die Auswahl der Übungen, die dann im rechten Fenster bearbeitet werden. Sehr gut gefallen hat uns ausserdem, dass vor Beginn einer Übung in sehr einfacher und übersichtlicher Art die erforderlichen Einstellungen wie Wortlisten, Dauer der Wortanzeige, Lesegeschwindigkeit, Wortsegmentierung u.a. vorgenommen werden können. Das Programm lief in der Testphase sehr stabil und fehlerfrei. 

Zielgruppen: geeignet für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Legasthenie und anderen Lesestörungen. Auch geeignet für Auszubildende mit Leseproblematiken sowie Jugendliche und junge Erwachsene in der beruflichen Integrationsförderung. Zu erproben wäre das Programm im Bereich DaF.

Fazit: Das Programm hat uns ausgesprochen gut gefallen. Es ist technisch zuverlässig und selbsterklärend. Die verständlich geschriebenen und pädagogisch fundierten Anleitungstexte ist wertvoll. Das integrierte ausdruckbare Handbuch hat eine hohe Qualität. 
Programmbedienung und Programmaufbau sind lernförderlich. Auch gefallen die verschiedenen Arbeitsmodi - betreutes Lernen und selbstständiges Lernen.  

Das Programm ist unbedingt empfehlenswert und ist zurecht für den Deutschen Bildungssoftware-Preis (digita) 2005 nominiert worden- 

Wolfgang Schmitt-Kölzer

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