Computer-Magazin

 
Lernsoftware in der beruflichen Bildung - Kleine aktuelle Marktanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Benachteiligtenförderung

Wolfgang Schmitt-Kölzer

zuerst veröffentlicht in: Durchblick, Zeitschrift für Ausbildung, Weiterbildung und berufliche Integration, Ausgabe 2/2001

Multimediale Lernprogramme sind in der beruflichen Bildung inzwischen zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Sie unterstützen das Lernen. Diese Erkenntnis hat Ende 1999 auch Eingang gefunden in den „Entscheidungsleitfaden zur fachlichen Qualitätsbeurteilung bei der Vergabe von Maßnahmen in der Benachteiligtenförderung“, wonach der Einsatz des PCs und berufsbezogener Software zu den Qualitätskriterien von Stütz- und Förderunterricht gehören. 
 
Vom CBT zum eLearning

Im Hinblick auf den Computer als Lernmedium ist der Begriff des Computer basierten Trainings (CBT) etabliert. Die entwickelten Lernprogramme sind interaktiv und ermöglichen ein effektives und auf die Bedürfnisse der einzelnen Benutzer/innen abgestimmtes Selbstlernen. Diese Generation von Lernsoftware hat mit den anfänglichen Drill&Practice-Programmen nichts mehr gemein. Mit der Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten der Computer-Technologie ist der Begriff heute identisch mit dem des multimedialen Lernens. Die Anwendung geeigneter Lernsoftware steigert die Leistungen und erhöht die Kompetenzen der Lernenden. Die durch Multimedia ermöglichte  gleichzeitige Nutzung verschiedener Medientypen bietet Abwechslung und fördert die Motivation, wenn die eingesetzten Programme den erforderlichen Qualitätsstandards entsprechen.

Heute entsteht eine neue Generation von Lernprogrammen, umschrieben mit dem Begriff  des Web Basierten Trainings (WBT) im Kontext des sogenannten eLearning. Auf den Bildungsleitmessen des Jahres 2001 (Learntec sowie Bildungsmesse) sind solche Programme, vorgestellt worden. Exemplarisch sei der von der Karlsruher Firma SPI für Bosch entwickelte Web-Tr@iner in verschiedenen Modulen für die Lernbereiche Metall und Elektro genannt. Die Software ist eingebettet in ein Medien-Paket und ermöglicht interaktives Lernen auf Multimedia-Basis. Das Besondere ist, dass die Lernsoftware in der Sprache des World Wide Web erstellt ist und somit über Intranets oder über das Internet eingesetzt werden kann. Dies ermöglicht neue Lern- und Aneignungs-Formen. Vergleichbare Lernprogramme gibt es für die ganze Palette kaufmännischer/betriebswirtschaftlicher Fragestellungen sowie die Standardanwendungen des Microsoft Office-Paketes etwa in der Form des Europäischen Computer-Führerscheines (ECDL). Das Lernen mit solchen Programmen ist oftmals eingebunden in telekommunikative Lernarrangements (Kommunikation einer Lerngruppe untereinander und Betreuung durch Tele-Tutoren oder Tele-Coaches). Im Jahre 2000 gab es auf diesem Sektor einen gewaltigen Entwicklungsschub und die Implementierung der hiba Online-Akademie im Februar 2001 ist in diesem Kontext zu sehen. Multimedia und Internet wachsen auf diesem Weg zusammen. Solche Medien werden auch die Qualität von Maßnahmen in der Benachteiligtenförderung erhöhen. Dies setzt allerdings voraus, dass die Träger offen an die pädagogischen und technischen Fragen im Hinblick auf das Medium Internet herangehen.

Informationsquellen

Es gibt mittlerweile eine Reihe von nützlichen Quellen, um sich einen Überblick über Lernprogramme zu verschaffen:
 

  • SODIS-Datenbank: Software-Dokumentations- und Informations-System. (www.sodis.de) Die SODIS-Datenbank - bisher vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (LSW) in Soest betreut – wird jetzt vom Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) weitergeführt.In einer produktiven Kooperation aller Bundesländer sind jährlich Hunderte von neuen Medien in die Datenbank eingestellt worden. Die Bewertung erfolgt unter medientechnischen, fachlichen, fachdidaktischen und mediendidaktischen Aspekten. Das Hauptaugenmerk  liegt auf  Multimedia-Programmen für die allgemeinbildenden Schulen, der Bereich der Berufsbildung ist aber noch deutlich unterrepräsentiert.
  • Der Bildungssoftware-Atlas (www.bs-atlas.de). Die Datenbank ist in Kooperation des Instituts für Bildungsmedien in Frankfurt am Main mit dem IBI - Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft in Berlin - aufgebaut worden. Es sind viele für die berufliche Bildung und die Benachteiligtenförderung nützliche Lernprogramme aufgenommen. Geliefert werden Grunddaten wie Inhalt, Systemvoraussetzungen, Preise, Bezugsquellen. Zur Zeit gibt es allerdings noch keine Bewertungen.
  • Computer-Magazin für berufliche Bildung und Förderunterricht (www.weiterbildung.com/abh-computer-magazin). Neben Themen wie Internet spielt das Thema Multimedia eine wichtige Rolle mit dem Anspruch, den Lernsoftware-Markt zu sichten. Kernpunkt der Zeitschrift, die von einem großen abH-Träger in Rheinland-Pfalz herausgegeben wird, sind eigene Testberichte von Lernprogrammen unter besonderer Berücksichtigung der Benachteiligtenförderung.
Der Markt

Internetgestützte Lernsoftware stellt die zur Zeit fortgeschrittenste Art von Lernprogrammen dar, weil damit auch neue didaktische Ansätze im Rahmen des Telelernens verknüpft sind. Das ist Neuland, zeigt aber deutlich die Entwicklungsrichtung der Zukunft an. Der überwiegende Teil der auf dem Lernsoftware-Markt aktuell angebotenen Programme sind jedoch Multimedia-Produktionen in der klassischen Art. Die Multimedia-CD für das Einzel- und Gruppenlernen am PC wird in der Benachteiligtenförderung in den nächsten Jahren dominierend sein, wobei das Telelernen auch Einzug halten wird.  Diese neuen Medien eignen sich gut für eine Binnendifferenzierung in Lerngruppen und können dazu beitragen, dass der Einsatz der Neuen Technologien integraler Bestandteil einer individuellen Förderplanung werden kann.

Die in diesem Beitrag wiedergegebene Übersicht über aktuelle nützliche Lernprogramme kann nur Beispiele zeigen. Für viele Berufe oder zumindest Berufszweige gibt es mittlerweile ansprechende und auch qualitativ gute Multimedia-Produktionen. Das bildet eine gute Grundlage für die Förderarbeit. Wichtig wird sein, den Fragen von Methodik und Didaktik in Zukunft mehr Raum zu geben. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Rahmenbedingungen in der außerbetrieblichen Ausbildung, den ausbildungsbegleitenden Hilfen oder den berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen  wird es darauf ankommen, günstige „Lernarrangements“ zu schaffen und somit den Jugendlichen eine sinnvolle Nutzung der Neuen Medien im Sinne der Stärkung ihre Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation für ihre berufliche Zukunft zu ermöglichen. Die neuen Medien werden dabei ein zusätzlicher Baustein sein, der – neben altbewährten nützlichen Medien – die Vielfalt vergrößert und damit das Lernen fördern hilft.  

Multimedia CD-ROMs

  • Der Trainer - Mathematik: Algebra – Elementare Funktionen und Koordinatensystem (2001) DIHT-Gesellschaft zur beruflichen Bildung, Organisation zur Förderung der IHK-Weiterbildung mbH, Bonn
  • ecopolicy - das kybernetische Strategiespiel von Frederic Vester (2000) Westermann Schulbuchverlag Braunschweig
  • Lernprogramm Hauswirtschaft, Multimediale interaktive Ausbildungsunterstützung (1999) Lernprogramm Holz (1997) Paulinenpflege,  Winnenden
  • Endspurt (früher Mechanikus), Prüfungstrainer für Metall, Elektro, Kraftfahrzeugtechnik, WiSo (2000) Karilon-Medien, Ober-Mörlen
  • Fachsprachentrainer: Metall- und Elektroberufe – Grundstufe (1999) FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht gemeinnützige GmbH, Grünwald. 
  • Bügelmessschraube-Computer-Sprachtraining (2000) Gemeinschaftsprojekt der Koordinierungsstelle Pro Qualifizierung , Köln, des Ford Aus- und Weiterbildung e.V. und der Volkswagen Coaching Gesellschaft                     
  • Man nehme ... Einkaufen, Lagern und Zubereiten von Lebensmitteln, ein interaktives Lernprogramm (1999) Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (aid), Bonn.
  • Professional English - Fachenglisch für IT-Berufe (2000)Technik und Medien GmbH, Berlin
  • Konflikte lösen – Gewalt vermeiden, Strategien für Berufsausbildung und Weiterbildung (1999) BIBB, Bonn
  • CD-ROM Planspiel: Der Manager im Handelsbetrieb (2001) DEKRA-Akademie, München
  • Wege zum perfekten Gedächtnis (1996) Wohak und Partner
  • 4 Ever Clever, Lern- und Prüfungssoftware: viele Module, darunter Büro-, Industrie-, Bank-, Speditionskauffrau/mann, Arzthelfer/in, Zahnarzthelfer/in, (2001) Gehlen-Verlag, Bad Homburg v.d.H.
  • Puzzle – Software für die Lagerwirtschaft, Optimierung von Lade- und Transporteinheiten im Bereich Kommissionierung und Versand (2001) Gehlen Verlag
  • Lernsoftware aus dem Vogel Buchdruck-Verlag, Würzburg: Getriebe (2000) Fahrwerktechnik, (2001) Bremsen, Fahrdynamik (geplant für Sommer 2001) Elektronische Systeme im Kfz (1998)
  • Web@Trainer Hydraulik, Pneumatik (1999) Web@Trainer Mechantronic, SPS (2001) Bosch AT-didactic, Erbach-Odenwald sowie SPI, Karlsruhe
  • Bau-Technik, Grundstufe, Version 2.1 (2000) Fachstufen Hochbau - Maurer, Beton- und Stahlbetonbauer , Projekte Bautechnik - Wohnhaus mit Garage, Grundstufe, Stam-Verlag, Köln
  • Farbenlehre (Arbeitstitel) (2001), hiba-Verlag Darmstadt
  • Gas-Technik 1 – Der Gas-Durchlauf-Wasser-Heizer (1997) Holzverbindungen (1998) Stein auf Stein – Prüfungstrainer für Maurer (1998) Verlag Handwerk und Technik, Hamburg
Wolfgang Schmitt-Kölzer, Mitarbeiter der ausbildungsbegleitenden Hilfen, LERNEN FÖRDERN Trägergesellschaft Rheinland-Pfalz e.V., Max-Planck-Str. 4, 54516 Wittlich, Tel.: 06571-28759, eMail: schmitt-koelzer@t-online.de

zurück zur Übersicht