Computer-Magazin

 
Pressemitteilung aus dem Heise-Newsticker
Mit einem Computerspiel gegen rechte Schläger

So geht es los, zumindest virtuell: Wieder haben brutale Hooligans
zugeschlagen. Auf einem Fußballspiel letzte Woche in Berlin bekamen
sich zwei rivalisierende Fan-Gruppen gewaltig in die Haare. Ergebnis:
Ein Toter, wahrscheinlich der Sänger eine Berliner Rockband, und
mehrere Dutzend Verletzte. Möglicherweise gehörte der Tote zur
rechtsextremistischen Szene und türkische Fans haben sich an ihm
gerächt. Die Ermittlungen laufen noch.

Mit dem Computerspiel Dunkle Schatten 3 - Tod in der Südkurve will die Bundesregierung digital gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus vorgehen, und setzt dabei auf den Lerneffekt. Cornelie Sonntag-Wolgast, Stastssekretärin im Bundesinnenministerium, stellte den Titel am gestrigen Donnerstagabend in Berlin vor. Der Clou des Spiels: Der Kommissar vor dem Bildschirm kann die Ermittlungen aus deutscher und aus türkischer Perspektive führen. Viele Situationen erhalten dadurch einen völlig neuen Dreh. Immer aber muss der Spieler Entscheidungen treffen, Farbe bekennen, Stellung beziehen.

Kann man am Computer überhaupt Demokratie und Toleranz lernen, wie es die Autoren behaupten und die Bundesregierung gerne wahr haben will? Rechtsextremistische Schläger werden sich wohl kaum zwei Stündchen vor den Computer setzen, um mal eben die Perspektive ihrer Opfer kennenzulernen. Aber vielleicht hält es Jugendliche ab, in die nationalistische Szene abzudriften, so dürfte zumindest das Bundesinnenministerium hoffen. Als Zielgruppe hat das Ministerium an Berufs- und Realschulen, Gymnasien, aber auch an "junge Erwachsene in der Bundeswehr" gedacht. Ein Argument jedenfalls dürfte viele für das Spiel interessieren: Dunkle Schatten 3 -Tod in der Südkurve kann man kostenlos online bestellen. (ku/c't) 

Quelle: Heise Newsticker 24.11.2000 

zurück zur Übersicht