Computer-Magazin

 
Buchrezension
"DocBrown, die Power-Girls und der Rap der Moccas - niederschwellige Angebote am IMBSE", hrsg. vom IMBSE e.V., Moers 1999, ISBN 3-9802476-3-5, 149 Seiten, 15,- DM.

Die Publikation ist am "Institut für Maßnahmen zur Förderung der beruflichen und sozialen Eingliederung e.V." im Rahmen des Projektes "Qualifizierungsnetzwerk für jugendliche Migranten" entstanden, das durch die Gemeinschaftsinitiative Beschäftigung - Youthstart - der europäischen Union und das Land Nordrhein-Westfalen finanziert wurde.

Autorinnen und Autoren: Petra Druckrey, Gabriele Götze, Kerstin Goltzsch, Beate Potthoff, Alexander Goeb, Harald Maaßen, Mehmet Öztürk, Willfried Schreiber, Jürgen Voß, Jürgen Weber. 

Zunächst ein Wort zum Herausgeber: das IMBSE, vor 18 Jahren in Moers gegründet, betreut ca. 1600 Jugendliche und Erwachsene, führt sie an berufliche Bildung und Neue Medien heran, verhilft ihnen zu beruflichen Bildungsabschlüssen und - wo möglich - zu Beschäftigungsverhältnissen. Im Stadtzentrum von Moers unterhält das IMBSE ein von der Arbeitsverwaltung gefördertes Internet-Café. Im Bereich der Neuen Technologien und auch in anderen Arbeitsfeldern war das IMBSE in jetzt fast zwei Jahrzehnten an allen richtungsweisenden Aktivitäten und Modellprojekten beteiligt und hat sich in letzter Zeit intensiv mit den Fragen von Telearbeit und Telelernen auseinandersetzt.

So 'ungewöhnlich' und ideenreich die Tätigkeiten dieses Vereins sind, so ungewöhnlich und ideenreich ist der Titel der vorliegenden Publikation. 

In zehn Beiträgen beschreiben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IMBSE ihre "niederschwelligen Angebote". Dieser etwas gewöhnungs- und erklärungsbedürftige Begriff meint im Falle dieses Vereins, "jenseits festgelegter Maßnahmestrukturen oder gängiger Öffnungszeiten Angebote für die Jugendlichen zu entwickeln, die "keinen Bock mehr auf Schule" haben, sich nicht mehr beim Arbeitsamt melden, die abtauchen in die Stadtteile, in denen sie sich zu Hause fühlen, die rumhängen zwischen Familie, Freunden, Legalität und Illegalität. Jugendliche, die nicht mehr daran glauben, unter den gegenwärtigen Bedingungen eine Chance auf dem Ausbildungsstellen- oder Arbeitsmarkt zu haben."

Wir möchten an dieser Stelle die Kapitel des Buches vorstellen, die sich den Neuen Technologien und dem Internet beschäftigen. 

Da ist zunächst ein Beitrag von Alexander Goeb, der für den Titel des Buches Pate steht, eine "Surf-Reportage" durch die Welt der niederschwelligen Angebote mit DocBrown, dem 19jährigen Hauswirtschafter, der im örtlichen Ch@t-Café zum www.surfer wird, der sich zudem eine eigene Homepage gebastelt hat und sich über jede eMail freut oder den Power-Girls, die ebenfalls auf ihrer Homepage zu bewundern sind. Es geht um die besondere Faszination, die das Internet-Café auf die Jugendlichen ausübt. Hier haben sie Erfolgserlebnisse, entwickeln eigene Vorstellungen, mobilisieren unglaubliche Energien, gemessen an dem, was ihnen zuvor zugetraut wurde. 

Ergänzend zu dieser "Reportage" im Magazinstil berichten Kerstin Goltzsch und Jürgen Weber in einem weiteren Beitrag dann eher sachlich über die Zielsetzungen und Aktivitäten im Internet-Café. Die Themen: Über Multimedia zur Lebens- und Berufsplanung - Pädagogische Zierlsetzung - Die pädagogische Spielwiese von Internet & Co. - Die Praxis - Internetprojekte mit benachteiligten Jugendlichen - Meine eigene Homepage - Die  Moderation machen wir selbst: ExpertenChat - Die Musik mache ich selbst: Das Musikprojekt - Die Bilder sind geil: Grafische Bildbearbeitung - Jobbörse - Kooperation - Akquisition - Geschlechterspezifische Jugendarbeit im Internetcafé Ch@t - Mädchen und junge Frauen "in virtuellen Welten" - Berufsberatung des Arbeitsamtes - Drogenhilfe des regionalen Kirchenkreises - Interne Zusammenarbeit und Vernetzung - Projekttag für Mädchen und junge Frauen türkischer Herkunft am IMBSE - Projekttag für Jungen und junge Männer türkischer Herkunft am IMBSE - Berufsvorbetreitende Bildungsmaßnahmen/außerbetriebliche Ausbildung - Das Café im Netz - Die Technik. 

Allein diese Überschriften vermitteln ein eindrucksvolles Bild von der Bandbreite der Tätigkeiten im Internet-Café und dessen Erfolgsstory. Kein Wunder, dass das Internetc@fé Chat in Moers kürzlich mit einem Preis ausgezeichnet wurde und sich Anfang Mai 2000 in Leipzig im Rahmen eines vom Bundesjugendministerium organisierten Wettbewerbs "Fit für Leben und Arbeit - neue Praxismodelle zur sozialen und beruflichen Integration von Jugendlichen" präsentiert.

Ein weiterer Beitrag mit dem ebenfalls originellen Titel "Was hat eine CD-Abteilung mit niederschwelligen Angeboten zu tun?" von Petra Druckrey entwickelt eine interessante Metapher für die große Bandbreite der Tätigkeiten am IMBSE.

Insgesamt ist eine informative, ideenreiche und interessant aufgemachte Publikation entstanden, ein "Schmuckstück aus der Jugendberufshilfe", das nicht nur für die unmittelbar in diesem Arbeitsfeld Tätigen interessant ist. 

Das Buch kann beim IMBSE, Im Moerser Feld 1, 47441 Moers, Telefax 02841-9173 26 oder per eMail salker@imbse.de bestellt werden.
 

Hypertipp
Schauen Sie sich auch den Beitrag im Computer-Magazin über die von der Arbeitsverwaltung in Nordrhein-Westfalen geförderten Internet-Cafés an:

http://www.weiterbildung.com/abh-computer-magazin/neu/inter32.html

Wolfgang Schmitt-Kölzer

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