Lernsoftware in der Sonderpädagogik - Dissertation bietet auch Anregungen für den Medieneinsatz in der technischen Berufsbildung

Meschenmoser, Helmut
Lernen mit Medien : Zur Theorie, Didaktik und Gestaltung von interaktiven Medien im fächerübergreifenden Unterricht / von Helmut Meschenmoser. - 
Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren 1999
Zugl: Hamburg: Univ., Diss 1998 - 68 DM, ISBN: 3-89676-187-0

Wie muß Unterrichtssoftware gestaltet sein, damit Heranwachsende leichter, intensiver und motivierter lernen und Lehrerinnen und Lehrer unterstützt werden, dies durch fach- und mediendidaktisch anspruchsvollen Unterricht besser zu realisieren?

Dieser generellen Frage folgt die vorliegende Forschungsarbeit, bei der Aspekte der Mediendidaktik, Medienkonzeption, Medienproduktion, Medieneinsatz und Medienevaluierung unter Einbeziehung eines breiten Spektrums an Wissenschaftsdisziplinen mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen gebündelt werden. Durch die konsequente Zusammenführung von Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften mit relevanten Ingenieurwissenschaften geht die vorliegende Forschungsarbeit über vorhandene partikuläre Ansätze hinaus. 

Dem Anspruch einer integrativen Theoriebildung unter dem Aspekt der Vermittlung zwischen Theorie und Praxis folgend, werden auf kommunikationstheoretischer Basis und mit dem schulpädagogischen Ziel der Individualisierung und Differenzierung durch das 'kooperative Arbeiten am gemeinsamen Unterrichtsgegenstand' Elemente einer emanzipatorischen Mediendidaktik ebenso wie angemessene Gestaltungskriterien entwickelt und an der prototypischen Software 'BAUWAS' konkretisiert.

'BAUWAS' dient der Entwicklung von Raumvorstellung, wobei übergreifende Beziehungen zwischen den Fächern Arbeitslehre/Technik, Mathematik und Kunst hergestellt werden. Erste unterrichtspraktische Erfahrungen mit der prototypischen Software aus Grundschule, Integrierter Gesamtschule sowie Schule für geistig Behinderte werden schließlich im Sinne einer partizipativen Technikgestaltung im zyklischen Entwicklungsprozeß evaluiert.
Die vorliegende Forschungsarbeit leistet für die zukünftige Entwicklung von Unterrichtssoftware mindestens dreierlei:

"Sie zeigt (a) die generelle didaktische Notwendigkeit hoher Qualitätsmaßstäbe, sie beweist (b), daß diese in der Tat auch realistischerweise umsetzbar sind, und sie etabliert (c) ganz konkrete Design- und Entwicklungsstandards, die für zukünftige Entwicklungsprojekte als richtungsweisend gelten müssen" 

(Prof. Dr. Günter Krauthausen, Universität Hamburg 1999 - Klappentext)

Rezension 1

Helmut Meschenmoser: Lernen mit Medien. Zur Theorie, Didaktik und Gestaltung von interaktiven Medien im fächerübergreifenden Unterricht. 313 S., Baltmanusweiler: Schneider Verl. Hohengehren 1999. (zugl. Hamburg, Univ., Diss., 1998) ISBN 3-8967 187-0. 68,- DM 

Das Buch wird seinem erwartungsweckenden Titel für solche Leserinnen und Leser durchaus gerecht, die bereit sind, sich einzulassen auf eine breit angelegte Analyse verschiedenster Aspekte zum Einsatz von konventionellen und interaktiven Medien im technikbezogenen Unter-richt. Dabei werden allgemeine Fragen zu Einsatz und Wirkung von Medien ebenso aufgegriffen, wie Interaktivität, Medialität und Adaptivität, die in der aktuellen Diskussion als die wichtigsten Klassifizierungs- und Bewertungsmerkmale für rechnergestützte, multimediale Lern- und Informationssysteme gelten. Eine Analyse und Erörterung lernpsychologischer, unterrichtsorganisatorischer und methodischer Problemfelder im Zusammenhang mit dem unterrichtlichen Einsatz interaktiver Medien vervollständigen das Spektrum der Betrachtungen im ersten Teil.

Gut vorbereitet mit diesen theoretischen Fundierungen findet man leicht Zugang zur zweiten Hälfte des Buches, die geprägt ist von der idealtypischen Entwicklung einer Lernsoftware, die sich der Förderung des räumlichen Vorstellungsvermögens widmet. Zielsicher wird damit ein inhaltliches Feld berührt, das sich in besonderer Weise zur didaktischen Aufbereitung mit einem interaktiven Medium eignet - ohne viel Text, der in Büchern besser aufgehoben ist. Stattdessen können einfache, aus Würfeln selbst zusammen fügbare geometrische Körper in dynamischen, dreidimensionalen Grafiken "erlebt" werden. Mit der Beschreibung eines solchen Entwicklungs- und Anwendungsbeispiels, das die spezifischen Qualitäten des Mediums wirklich zum Tragen kommen lässt, wird ein wichtiges Zeichen gesetzt wider die phantasielose Orientierung an Buch-Strukturen in multimedialen Anwendungen mit didaktischem Auftrag. Die Software trägt den Namen BAUWAS und ist als Demo-Version kostenlos im Internet verfügbar unter 

ftp://ftp.be.schule.de/pub/llsoft/bauwas.zip

Auch dieser zweite Teil von "Lernen mit Medien" wird erfreulicherweise nicht von informationstechnischen Hieroglyphen getragen, sondern von pädagogischen Intentionen sowie von methodischen und didaktischen Entscheidungen. In der Darstellung der Software-Entwicklung von der Idee und Konzeption über ihre Realisierung bis zu Lernszenarien und Evaluation schließt sich der Kreis von erziehungswissenschaftlichen, kommunikations- und medientheoretischen Elementen, grundlegenden technischen Lerninhalten und unterrichtspraktischer Anwendung.
Das Buch liefert wichtige Anregungen für den Medieneinsatz in der technischen Berufsbildung und im Fach Arbeitslehre/Technik allgemeinbildender Schulen. Dieser selbst gesteckte Rahmen wird am Ende noch überschritten durch bemerkenswerte Anwendungsberichte aus einer integrierten Gesamtschule, einer Schule für geistig Behinderte und einer Grundschule.
Die Vielfalt der angesprochenen Aspekte und die hintergründige Betrachtung ausgewählter Schwerpunkte sind Ausdruck der reichen Erfahrungen des Autors im Umfeld des Lernens mit Medien. Keine leichte Nachmittags-Lektüre, wohl aber eine ergiebige Quelle für alle, die sich aus unterschiedlichen Beweggründen und Ausgangspositionen mit Fragen des (multi-)medialen Lernens zu befassen haben - und wer hat das über kurz oder lang nicht?

(Bernd Mahrin) 
aus: Berufsbildung 53 (1999) 60

Rezension 2

Meschenmoser, Helmut: Lernen mit Medien - Zur Theorie, Didaktik und Gestaltung von interaktiven Medien im fächerübergreifenden Unterricht. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 1999

Die Studie von Meschenmoser bezieht sich auf die Entwicklung und den Einsatz neuer Medien, auf Software für den fächerübergreifenden Unterricht. Neben Themen aus dem Technikunterricht - speziell die technische Kommunikation und die damit verbundene Raumvorstellung, und die Darstellung; technische Kommunikation/Zeichnen - werden auch Beziehungen zum Mathematikunterricht (Geometrie) und zum Kunstunterricht (räumliches Darstellen, Perspektiven) hergestellt. 

In der Arbeit geht es vor allem aber um die Gestaltung eines offenen, innovativen, d. h. einen individualisierenden und somit differenzierenden Unterrichts, bei dem aber ein Gegenstand im Zentrum des zieldifferenten Lernens aller Schülerinnen und Schüler steht. Das Unterrichtsmedium, auch die Software, ist immer nur ein Hilfsmittel der Unterrichtsgestaltung, es hat keine (so Meschenmosers Einschätzung) Qualität an sich. Am Beispiel der Entwicklung der Software "BAUWAS" werden die Möglichkeiten partizipativer Softwaregestaltung demonstriert, bei der neben professionellen Informatikern, konzeptionell arbeitende Pädagogen und zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer durch Erprobungen von Prototypen mitgewirkt haben. 

Die Arbeit ist zur grundlegenden Weiterentwicklung der Methoden- und der Lernkultur in der Arbeitslehre und im Technikunterricht ein bedeutsamer Beitrag. Sie ist allen denen zur Lektüre anzuraten, die sich dem Anliegen eines verantwortungsvollen Medieneinsatzes auch im Technikunterricht nicht verschließen.

(Prof. Dr. Gerhard H. Duismann) 
aus: Unterricht - Arbeit und Technik 1(1999)4, 66

Verweis: Testbericht BAUWAS 4.0:
http://www.weiterbildung.com/abh-computer-magazin/neu/test2.html

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