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E-Skills - es geht weiter
Europäische E-Skills-Konferenz

Die European E-Skills Conference 2004 (Thessaloniki, 20./21. September) war ein wichtiger Meilenstein nach dem ersten europäischen E-Skills-Gipfel (2002) in Kopenhagen. An der Konferenz, die im Rahmen der Aktivitäten des Europäischen Forums für digitale Kompetenz („e-skills") (1) stattfand und in deren Mittelpunkt der Bericht des Forums E-skills in Europe: towards 2010 and beyond (2), stand, beteiligten sich über 150 Experten und Entscheidungsträger aus dem öffentlichen und privaten Sektor. In den Diskussionen ging es um Global Sourcing sowie um Strategien und bewährte Verfahrensweisen zur Förderung der digitalen Kompetenz, des E-Learning, der Wettbewerbsfähigkeit und der Schaffung von Arbeitsplätzen. 

Zu den Teilnehmern gehörten auch Vertreter verschiedener EU-Mitgliedstaaten und Beitrittsländer, einiger Generaldirektionen der Europäischen Kommission (3) und der Europäischen Investitionsbank. Ferner waren führende IKT-Unternehmen (4), die Bereiche Forschung, Wissenschaft und Ausbildung, europäische und internationale IKT-Fachverbände (5) und -Konsortien (6) sowie die Sozialpartner vertreten (7). 

Auf der Konferenz wurde eine Reihe von Botschaften verabschiedet. Die erste lautete, dass die Europäische Union eine umfassende Strategie zur Verbesserung der IKT-Kenntnisse und der Ausbildung in allen Wirtschaftszweigen, auf allen Ebenen und für alle Bürger entwickeln solle. In der zweiten Botschaft wird die Europäische Kommission aufgefordert, zusammen mit dem Cedefop und den Partnern aus der Wirtschaft die Entwicklung eines Meta- bzw. Bezugsrahmens zur besseren Planung von Investitionen im Bereich Ausbildung und Qualifikationen zu unterstützen. Ferner solle sie sich für die Weiterentwicklung gemeinsamer Qualitäts- und Zertifizierungskriterien einsetzen, die sowohl für den staatlichen als auch den privaten, für den gewinnorientierten und den gemeinnützigen Sektor gelten sollten. 
 

Aktionsschwerpunkte
Die Konferenzteilnehmer haben alle relevanten Akteure aufgerufen, im Jahr 2005 eine Reihe von Aktionsschwerpunkten zu unterstützen (8).

1. Entwicklung eines langfristigen strategischen Ansatzes
Die Rolle der IKT-Branche und der Erwerb von IKT-Kenntnissen sind generell weiter zu fördern. Mit Global Sourcing muss es gelingen, die für die Wirtschaft notwendige Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilität mit der Aussicht auf bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für die europäischen Bürger in Einklang zu bringen. Die Kommission sollte diesen Prozess fördern, indem sie die europäische Wettbewerbsfähigkeit im IKT-Bereich überwacht und die Mitgliedstaaten ermutigt, die Attraktivität der Europäischen Union für Auslandsinvestitionen und ausländische High-Tech-Fachkräfte weiter zu erhöhen. 

2. Verbesserung bei der Bereitstellung von IKT-Arbeitsmarktdaten
Zusammen mit der Wirtschaft, der OECD und dem Cedefop sollte die Kommission die Entwicklung von E-Skills-Szenarien sowie die Einrichtung eines europäischen Expertennetzes unterstützen. Eurostat und die nationalen Statistikämter sind aufgerufen, bei der Ermittlung, Vereinbarung und Umsetzung bewährter Verfahrensweisen zur Klassifizierung und Erhebung statistischer Daten zusammenarbeiten, um Ausbildungsanbieter und Unternehmen bei der Erarbeitung von Strategien und der 
Planung des Qualifikationsbedarfs zu unterstützen. 

3. Förderung von mehrseitigen Partnerschaften
Der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft, den Fachverbänden, Sozialpartnern, der Kommission und den Mitgliedstaaten müssen verbessert werden. Ferner sind geeignete rechtliche, finanzielle und institutionelle Rahmenbedingungen für Partnerschaften mit mehreren Akteuren zu entwickeln. Die Einrichtung eines europäischen Portals zu IKT-Kompetenzen und -Berufen, die Vernetzung der europäischen Lernzentren und die Förderung von Rollenmodellen könnten sich dabei 
als hilfreich erweisen. 

4. Entwicklung innovativer Lernlösungen
Politiker und Interessenvertreter sind aufgefordert, die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft zu fördern. Dabei sollte der Schwerpunkt auf folgenden Themen liegen: Entwicklung innovativer Lernlösungen; Festlegung von Standards für die gegenseitige Anerkennung von Ausbildungsmodulen und -einheiten sowie Anrechnung 
von Ausbildungsleistungen; Ausarbeitung einer von Herstellern oder Plattformen unabhängigen Zertifizierung und Kompetenzeinschätzung. Möglichkeiten der Zertifizierung, Akkreditierung und Bewertung der digitalen Kompetenz auf akademischer und nicht-akademischer Ebene sollten geprüft werden, um die Kluft zwischen formaler und nicht-formaler Bildung und Ausbildung zu überwinden. 

5. Entwicklung eines europäischen Meta-Rahmens für IKT-Kenntnisse
Es sind ein europäischer Meta- oder Bezugsrahmen für IKT-Kenntnisse und im Anschluss daran EU-weite Zertifizierungsstandards im IKT-Bereich zu entwickeln. Dabei können die Mitgliedstaaten und die Kommission mit den Sozialpartnern und den mehrseitigen Partnerschaften zusammenarbeiten. Sie sollten auch die Bemühungen um eine bessere Transparenz der Zertifizierung unterstützen und die Entwicklung geeigneter Qualitätsstandards für den Zertifizierungs- und Ausbildungssektor fördern. 

6. Verringerung der digitalen Kluft
Die Mitgliedstaaten, die Kommission, die Wirtschaft und die Sozialpartner sollten die Vermittlung von IKT-Grundkenntnissen und den zielgerichteten Einsatz von Bildungsressourcen unterstützen, um die digitale Kompetenz der Arbeitnehmer zu fördern. Die Voraussetzung für "E-Government" sind "E-Bürger". Dies müssen wir uns vor Augen führen, wenn wir die digitale Kluft verringern wollen. 
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DER HINTERGRUND
Der Europäische Rat hat sich im Jahr 2000 in Lissabon das Ziel gesetzt, die 
Europäische Union „zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen - einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen". In einem wissensbasierten 
Wirtschaftsraum tragen Arbeitnehmer mit IKT- und E-Business-Kenntnissen (E-Skills) zu Innovationen, zur Steigerung der Produktivität und zur Entwicklung wissensintensiver Produkte und Dienstleistungen bei. Damit in einer Informationsgesellschaft E-Goverment funktionieren kann, müssen alle Bürger in der Lage sein, die IKT zu nutzen. 

Was ist unter E-Skills zu verstehen?
Der Begriff „E-Skills" bezieht sich auf eine ganze Reihe von Fähigkeiten (Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen) und umfasst eine Vielzahl an wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen. Wie die Einzelnen mit den IKT umgehen, hängt weitgehend vom Kontext ab. Der Begriff umfasst vor allem drei Kategorien (2): 

IKT-Fachkenntnisse: für die Bereiche Spezifikation, Planung, Entwicklung, Installation, Betrieb, Unterstützung, Wartung, Verwaltung, Evaluierung und Erforschung von IKT-Systemen;

IKT-Anwenderkenntnisse: zur effizienten Nutzung von IKT-Systemen - gebräuchliche generische Softwaretools und spezialisierte Tools zur Unterstützung von Unternehmensfunktionen - im Arbeitsalltag von Personen, die zum größten Teil außerhalb der IKT-Branche tätig sind;

E-Business-Kenntnisse: Nutzung der IKT-Möglichkeiten, wie beispielsweise des Internets, für eine effizientere und effektivere Unternehmungsführung, für neue Organisationsmethoden und die Gründung neuer Unternehmen. 
E-Business-Kenntnisse sind strategischer Art und stehen mit dem Innovations-management in Zusammenhang, während das Technologie-Management IKT-Fachkenntnisse verlangt. 
Durch die Entwicklung neuer IKT-Anwendungen sind die Kompetenzen, über die sowohl die Fachkräfte als auch die Anwender verfügen müssen, einem ständigen Wandel unterworfen. In einigen Mitgliedstaaten sind IKT-Kenntnisse in ausreichender Quantität vorhanden, jedoch treten Qualifikationsdefizite und Qualifikationsinadäquanz auf und 
können noch zunehmen. 

Die geringe Zahl derer, die über angemessene praktische Fähigkeiten verfügen, ist nach wie vor besorgniserregend. Die jungen Menschen interessieren sich immer weniger für die Mathematik und die Naturwissenschaften, auf denen die IKT-Fachausbildung in hohem Maße beruht. Die zunehmende Globalisierung des IKT-Sektors birgt die Gefahr, dass Arbeitsplätze von Europa in andere Teile der Welt verlagert werden, wo genügend hoch qualifiziertes (und oft geringer bezahltes) 
Personal zur Verfügung steht. IKT-Kenntnisse spielen für den Einzelnen eine immer größere Rolle, um einen anspruchsvollen Arbeitsplatz zu finden und das wachsende Angebot an IKT-Dienstleistungen optimal nutzen zu können.

IKT-Anwenderkenntnisse reichen von der grundlegenden Fähigkeit, mit einem Computer umzugehen (digitale Kompetenz), bis zu fortgeschritteneren Anwendungen, die dem Einzelnen die Möglichkeit geben, mit seiner Arbeit, wo immer sie auch stattfinden mag, einen Mehrwert zu erzielen. 

Europäische Maßnahmen
Der Aktionsplan eEurope 2005 - die strategische Vision der EU für die Informationsgesellschaft - beinhaltet die Förderung der digitalen Kompetenz unter dem Thema „elektronische Eingliederung" und die Nutzung der IKT für Lernzwecke unter dem Thema „elektronisches Lernen", das im Rahmen der eLearning-Initiative sowie des entsprechenden Aktionsplans und Programms umgesetzt wird. 

Anknüpfend an die von der Gruppe zur Beobachtung der IKT-Kenntnisse geleistete Arbeit und die Ergebnisse des Kopenhagener Gipfels vom November 2002 hat die Generaldirektion Unternehmen im März 2003 das Europäische Forum für digitale Kompetenz („e-skills") ins Leben gerufen, um den Dialog zwischen den jeweiligen Akteuren, Regierungsvertretern, Sozialpartnern und Experten zu fördern. Dieses Forum beschäftigt sich mit den Definitionen, den sozialen und internationalen Aspekten sowie 
mit Zertifizierungs- und Qualifikationsfragen in Europa. Der Synthesebericht des Forums und die Konferenz von Thessaloniki werden Konzepte und Empfehlungen für weitere Maßnahmen anregen (9).

Das Cedefop wird die Europäische Kommission bei der Ausarbeitung und Umsetzung einer kohärenten EU-Politik im Bereich der E-Skills unterstützen, damit das für 2010 vorgegebene Ziel erreicht wird. Das Zentrum wird in folgenden Bereichen einen Beitrag leisten (10): 

Verbesserung der Datenlage, was den Bedarf und das Angebot an E-Skills betrifft; Entwicklung innovativer Lernlösungen und Prüfung bewährter Verfahrensweisen bei der Zertifizierung; 
Entwicklung eines europäischen Meta-Rahmens für E-Skills in Zusammenarbeit mit der Kommission und dem Europäischen Komitee für Normung (CEN) sowie seinem Unterkomitee für das Informationsgesellschafts-Standardisierungssystem (ISSS).
Die Studie über die IKT-Zertifizierung in Europa, die CEPIS im Auftrag des Cedefop Anfang 2004 durchgeführt hat, liefert weitere Erkenntnisse zu Fragen der Qualitätsstandards, der Anrechnung und Anerkennung von Ausbildungsleistungen und der Vergleichbarkeit und Kompatibilität der Ansätze in Europa. 

(1) Die Unterlagen und Diskussionsbeiträge zum Europäischen Forum für digitale Kompetenz können eingesehen werden unter http://communities.trainingvillage.gr/esf
(2) E-skills in Europe: towards 2010 and beyond: Synthesebericht des Europäischen Forums für digitale Kompetenz, September 2004. Siehe http://europa.eu.int/comm/enterprise/ict/policy/doc/e-skills-forum-
2004-09-fsr.pdf
(3) GD Unternehmen, EAC, Beschäftigung und Soziales, Informationsgesellschaft und Eurostat
(4) Microsoft, Nokia, Cisco Systems, IBM, Certiport, CompTIA
(5) Council of European Professional Informatics Societies 
(Dachorganisation der europäischen Informatik-Fachgesellschaften)
(6) Career Space, eSkills Certification Consortium, eLearning Industry 
Group, Project Management Institute
(7) EICTA, Uni Europa, Europäischer Metallarbeiterverband
(8) Die Abschlusserklärung der Konferenz ist abrufbar unter:
http://www.eskills2004.org/files/Final%20European%20e-skills%202004%20
Declaration.pdf 
(9) Siehe den Beitrag zur E-Skills-Konferenz in dieser Ausgabe.
(10) Basierend auf den Schlussbemerkungen von Dr. Stavros Stavrou, stellvertretender Direktor des Cedefop, zum Abschluss der E-Skills-Konferenz am 21. September 2004. 

Nähere Einzelheiten, z. B. Hintergrundmaterial und die Präsentationen im Zusammenhang mit der Konferenz sind auf der Website der Konferenz zu finden: 
www.eskills2004.org 
Ansprechpartner: Europäische Kommission: Andre.Richier@cec.eu.int
Cedefop: Burkart Sellin bs@cedefop.eu.int;; Franz Gramlinger fgr@cedefop.eu.int 
Partner aus der Wirtschaft: John Joliffe jj@interel.be

Quelle: Cedefop INFO, Ausgabe 3/2004
http://www2.trainingvillage.gr/download/Cinfo/Cinfo32004/Ind-de.html

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