Computer-Magazin

 
Buchrezension
Cornelia Seeberg, Life long Learning - Modulare Wissensbasen für elektronische Lernumgebungen (2003)
43 Abbildungen, 223 Seiten, EUR 49,95, Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York, ISBN 3-540-43618-8

Lernen mit elektronischen Dokumenten wird immer wichtiger. Der entscheidende Vorteil des Mediums Computer ist die Möglichkeit, dynamische Dokumente zu erzeugen. Diese Dynamik kann zum einen in den einzelnen Inhalten liegen (Animationen, Simulationen) oder in der Erstellung der Dokumente (adaptive Anpassung an die einzelnen Benutzer/innen). Die Lerndukomente liegen dafür in Modulen, nicht als großes Dokument vor. Um diese Vorteile nutzen zu können, müssen die Module beschrieben sein.

Das Buch bietet ein Beschreibungsschema, mit dem aus einer Wissensbasis von unzusammenhängenden Modulen ein gut lesbares und auf die Bedürfnisse der einzelnen Leser/innen angepasstes webbasiertes Dokument erstellt werden kann.

Die Arbeit von Frau Seeberg entstand im Rahmen von "Multibook", einem Kooperationsprojekt des Springer-Verlags, der Technischen Universität Darmstadt (Fachbereich Multimedia Kommunikation) der FernUniversität Hagen, der University of Ottawa, Der University of Illinois und der Firma Intelligent Views. Es wurde vom BMBF über einen Zeitraum von 3 Jahren unterstützt und endete im Dezember 2000. In diesem Projekt wurde eine fruchtbare interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Inhaltsexpertinnen, Pädagoginnen und Technik-Expertinnen praktiziert. 

Diese Kooperationen sind der Autorin sehr wichtig, um die im Buch beschriebenen Möglichkeiten adaptiver Hypermediasysteme - in die Ansätze des Intelligent Tutoring Systems (ITS) einfließen - auf die Erfordernisse des life-long-learning (Anpassung an unterschiedliche und oft heterogene Benutzergruppen) zu erweitern. 

Bei allen technischen Details gelingt es der Autorin, den pädagogischen Blick zu bewahren und auch komplexe Zusammenhänge in verständlicher Sprache zu vermitteln.

Die Wissensbasis von Multibook (http://www.multibook.de) - ein webbasiertes Lehrsystem, das durch die multimedialen Ressourcen und Möglichkeit, sich den jeweiligen Nutzerinnen anzupassen, eine Erweiterung des herkömmlichen Lehrbuches darstellt -  besteht aus zwei Teilen, in denen die Informationseinheiten und Meta-Informationen modelliert werden:

  • einem semantischen Netz (angelehnt an das "Semantic Web" von T. Berners-Lee), das ConceptSpace heisst und dem
  • MediaBrickSpace, in dem das Wissen als modulare Textabschnitte, Bilder, Audiodateien, Videos und Animationen (Medienbausteine) repräsentiert wird.
Was heisst das konkret? Die Module werden einem Schlagwort zugeordnet, das mit den anderen Schlagworten des Wissensgebietes inhaltlich verbunden ist. Die einzelnen Module werden durch Metadaten beschrieben, die beispielsweise auszeichnen, welchen Medientyps das Modul ist. Die Module werden durch Relationen miteinander verbunden, sodass rhetorische und didaktische Beziehungen explizit gemacht werden können. 

Die Kapitel des Buches im Einzelnen:

  • Einleitung
  • Adaptivität und Benutzermodellierung: Adaptivität, Benutzermodellierung, Zusammenfassung
  • Adaptive Lernsystem: Nicht-adaptive Lehrsysteme, Adaptive webbasierte Systeme, Adaptive Lehrsysteme
  • Modulare Wissensbasis: Module, Lektionsproduktion und Struktur der Wissensbasis, Beschreibung der modularen Wissensbasis, Vorteile einer derartig beschriebenen Wissensbasis
  • Probleme der Modularität und deren Kompensation: Kohärenz, Neue Art des Schreibens für Autorinnen, Nachteile für die Leserinnen
  • Multibook und MediBook
  • Zusammenfassung und Ausblick
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Literaturverzeichnis
  • Webadressen
  • CD-ROMs
  • Index
Das Buch ist für alle diejenigen interessant, die sich mit Fragen des neuen Lernens mit neuen Medien beschäftigen. Es ist insbesondere für diejenigen interessant, die sich mit grundlegenden Fragen der Contenterstellung, einer neuartigen Basis für 'elektronische' Drehbücher und der technischen Erstellung von computergestützten Lernmodulen beschäftigen wollen. Das Buch liest sich spannend und ist empfehlenswert.

Wolfgang Schmitt-Kölzer

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