Computer-Magazin

 
Buch-Rezension
Stefan Iske, Vernetztes Wissen - Hypertext-Strategien im Internet.

Reihe: Wissen und Bildung im Internet, Band 5, Herausgeber: Prof. Dr. Norbert Meder (Universität Bielefeld) 2002, 138 Seiten, 21,80 Euro 

W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld, Telefon 0521-91101-0, Telefax 0521-9110179. Internet: www.wbv.de ISBN 3-7639-3018-3, Bestellnummer 60.01.353

„Hypertext ist der Faden, der das Wissensnetz knüpft. Hypertext eröffnet qualitativ neuartige Formen der Darstellung und des Zugangs sowie spezifische Aktivitäten und Umgangsformen mit Informationen und Wissen. Damit ist Hypertext die Schlüsseltechnologie des neuen Mediums Internet und gewinnt im Bildungskontext zunehmend an Bedeutung.
Wie findet man sich in stark vernetzten medialen Umgebungen zurecht? Was ist zu beachten, wenn man selbst Informationen, Daten und Dokumente mittels Hypertext vernetzen will? Welche Besonderheiten gelten dabei für Texte, multimediale Anwendungen und Websites?
Dieses Buch beantwortet solche Fragen. Es beschreibt die Möglichkeiten von Hypertext zum Erkunden und Gestalten vernetzter Strukturen. Das neuartige Potenzial der Vernetzung wird dabei aus bildungstheoretischer Perspektive untermauert. Damit bietet es wertvolles Hintergrundwissen für alle, die sich auf das Internet als Bildungsmedium einlassen wollen.“ (Klappentext)

Professor Meder, der die neue Reihe betreut (geplante weitere Titel: Web-Didaktik (im Druck), Einführung in das didaktische Online-Design u.a.) stellt im Vorwort fest, dass es dem Autor (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Bielefeld im Forschungspropekt: "Evaluation Neuer Medien in den Geistes- und Naturwissenschaften") nicht nur gelungen sei, Orientierung für diejenigen zu bieten, die Ausschau halten nach zukunftsträchtigen und nachhaltigen Lernplattformen. Auch habe er die Grundlagen dafür gelegt, konkrete Qualifizierungsprogramme für Hypertext-Autoren zu entwickeln. 

Die Themen des Buches im Einzelnen:

  • Vorwort
  • Einleitung
  • 1 Der gesellschaftliche Rahmen von Information und Wissen: 1.1 Informatisierung, 1.2 Informationsgesellschaft: Epochaler Wandel - gesellschaftlich dominantes Prinzip; Ökonomischer Aspekt, technologischer Aspekt und der Aspekt der Benutzung der Information; Informatisierung - Elektronisierung - Hypertextifizierung - Kommerzialisierung-Ökonomisierung, 1.3 Wissensgesellschaft, 1.4 Wissen - Information - Daten
  • 2 Information unter den Bedingungen der Telematik und Informatisierung: 2.1 Die Metapher der Informationsflut, 2.2 Informationsflut und Internet, 2.3 Die Metapher des Information Highway, 2.4 Technische Seite der komplexen Informationsgesellschaft: Das Buch als Technologie; Medienvielfalt - Codierung - Generationenfolge - Diversifizierung - Dispersion; Primäre - sekundäre - tertiäre Medien
  • 3 Hypertext: 3.1 Hypertext als neue Technologie, 3.2 Hypertext-Struktur, 3.3 Hypertext und Hypermedia, 3.4 Paradigmenwechsel Nichtlinearität, 3.5 Verknüpfung zwischen Modulen: Referenzielle und typisierte Verknüpfungen; unidirektionale und bidirektionale Verknüpfungen; verborgene und hervorgehobene Verknüpfungen; intratextuelle und intertextuelle Verknüpfungen, 3.6 Navigation als Sichbewegen im Hypertext: Exploratives und Matching-Paradigma; Formen der Navigation, 3.7 Hypertext als semantisches Netz, 3.8 Kritik an der Hypertext-Konzeption: Desorientierung: "lost in hyperspace"; Kognitive Überlastung: "cognitive overhead"
  • 4 Historische Vorläufer und der pädagogische Aspekt der Hypertext-Konzeption: 4.1 Historische Vorläufer der Hypertext-Technologie, 4.2 Enzyklopädie und Lexikon: Das Scheitern des Projektes der Enzyklopädie, Vom Lexikon zum Hypertext, 4.3 Frühe Hypertext-Konzeptionen: Vannevar Bush: Memory Extender; Douglas Engelbart Augment; Theodor Nelson: Evolutionary File Structure und Hypertext, 4.4 Hypertext und Bildung: Der pädagogische Anspruch der frühen Hypertext-Konzeptionen; Allgemein gesellschaftspolitische Ebene; Bildungstheoretische Ebene; Abgrenzung von der Argumentation einer kognitiven Plausibilität
  • 5 Hypertext als Technologie des Umgangs mit Information: 5.1 "Exploratory Use" - Erkunden bestehender Hypertexte; Interaktivität und Nichtlinearität; Hypertext als elektronischer Text - Vom Buch zum Bildschirm; Aktives Umgehen mit Hypertexten am Beispiel von hyperfolio, 5.2 "Constructive Use" - Gestalten von Hypertext: Gestaltung von Hypertext als Arbeitsstil; Kennzeichen des Gestaltungsprozesses; Hypertext als offen-flexible Struktur; Tätigkeiten des Autors: Metakognitiv-reflexiver Aspekt, interpretativ-hemeneutischer Aspekt, heuristisch-kreativer Aspekt, pluralistisch-interdisziplinärer Aspekt, Kooperativer Aspekt; Der Gestaltungsprozess als reflexiv-praktische Medienanwendung; Der humanistische Leser der Renaissance als historisches Beispiel der Gestaltungstätigkeit; Der Symbol-Analytiker als gegenwärtiges Beispiel der Gestaltungstätigkeit: Abstraktion, Systemdenken, Experimentieren, Zusammenarbeit; Aktives Gestalten von Hypertexten in der Online-Lernumgebung InLearn; Gestaltungsmetapher "Criss-Crossed Landscape"
  • 6 Schlussfolgerungen
  • Anhang: A. Announcing a New Technology; B. Procedure for Developing Networks; C. Bewertungskategorien hyperfolio; D. Linktypologie
  • Literaturverzeichnis
Vor allem das Kapitel 5 liest sich sehr spannend. Hierin wird praktisch dem Problem Rechnung getragen, dass es in Zukunft neue Berufe und auch Arbeitsfelder in traditionellen Berufen geben wird, in denen auf die vom Autor beschriebene Weise mit Informationen gearbeitet werden muss. 

Mir persönlich gefällt zudem der "historische" Blick des Autors auf frühere Hypertext-Ansätze, die bis in die 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts und sogar ins 16. Jahrhundert zurück reichen wie etwa das Bücherrad von Ramelli, das dem humanistischen Leser ermöglichte, mehrere Bücher gleichzeitig zu nutzen, zu vergleichen und mit Verweisen auszustatten:

Das Buch - in verständlicher Sprache verfasst -  ist unbedingt empfehlenswert.

Wolfgang Schmitt-Kölzer

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