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Simulations- und spielebasierendes Lernen

Spielend Lernen. Das klingt einfach. Ist es eigentlich auch. Warum hat dann das Spielen im Bereich E-Learning immer noch eine eher untergeordnete Rolle? Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Developmentgateway widmet dem Thema ein Highlight. Auch Brandon Hall hat kürzlich ein Reference Guide zum Thema Simulationen herausgebracht.

Aktuelle Forschungsergebnisse behaupten, dass Spiele und Simulationen zu den erfolgreichsten Lernmethoden überhaupt gehören. Auf was ist diese Aussage zurückzuführen? Moderne Spiele sind heutzutage so komplex, dass häufig mehr als 100 Stunden benötigt werden, um sie zu ende zu spielen. Heutige Lerntheorien besagen, dass sich die 'time on task’ entscheidend auf den Lernerfolg auswirkt. E-Learner mit 100 Stunden 'on task’ würden einen deutlich höheren Lernerfolg erzielen. 

Sowohl Spiele als auch Simulationen zeigen einen ganz anderen Lernstil als klassische, textbasierende E-Learning Lösungen. Bei Spielen und Simulationen liegt der Fokus eher auf visuellen, auditiven und kinästhetischen Reizen. Man kann also bestimmte Lerntypen damit besser erreichen. Bei Spielen kommt hinzu, dass sie den Lerner auf ganz unterschiedliche Art und Weise kognitiv fordert. Von der Einprägung einzelner Sachverhalte bis hin zur komplexen Analyse eines Problems.

Ein weiterer großer Vorteil von Spielen und insbesondere von Simulationen ist die Realitätsnähe. Daraus resultieren wesentlich kürzere Trainingszeiten für die User, was auch einen signifikanten Kostenfaktor darstellt. Bei Simulationen können Situationen in einer sicheren Arbeitsumgebung trainiert und bewältigt werden, ohne dass teures und 'echtes' Equipment dafür benutzt werden muss (Beispiel: 40 Mio. Dollar Düsenjet). 

Dennoch werden immer noch selten Spiele und Simulationen in E-Learning eingesetzt. Ein gewichtiger Grund hierfür ist der hohe Kostenaufwand bei der Erstellung bzw. Anschaffung von Lernspielen und Simulationen verglichen mit herkömmlichen, textbasierten Lernmodulen. Diese hohen Kosten rühren unter anderem von der recht hohen Entwicklungszeit von spiele- und simulationsbasierten Lernmodulen her. Nicht zuletzt ist zu beachten, dass die meisten Spieler unter 40 Jahre alt sind. Die meisten Lehrer und Learningdesigners (und Spielekritiker) sind jedoch über 40 Jahre alt. Diese Diskrepanz ist vermutlich auch dafür verantwortlich, dass das spielebasierte Lernen bislang von Learning Professionals eher stiefmütterlich behandelt wurde.

Es muss also eine Bewusstseinsänderung in den Köpfen von Learning Officers stattfinden, damit der Markt von Lernspielen und Trainingsimulationen voll ausgeschöpft werden kann. Nichtsdestotrotz sind Spiele und Simulationen nicht das Allheilmittel. Es sollte hierbei sehr genau geprüft werden, ob sich der hohe Aufwand für ein Unternehmen lohnt.
(mro) Quelle: Newsletter Global Learning 10/05
 
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