Computer-Magazin

 
BBJ-Studie: "Ausbildungen in IT- und Medienberufen sind auch für Benachteiligte geeignet"

Im Auftrag des Bundesjugendministeriums (BMFSFJ) hat der Verein zur Förderung kultureller und beruflicher Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen e.V. (BBJ e.V.) unter dem Titel "Benachteiligte in IT-Berufen" eine Studie durchgeführt. Als BBJ Consult Info IV/2001, hat Volker Köditz die Ergebnisse publiziert. ....

Die wichtigsten Ergebnisse der vorliegenden Studie lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Obwohl die Betriebsbefragungen zeigen, dass die Betriebe sich durchaus vorstellen können, dass Jugendliche mit Bildungsabschlüssen unterhalb von Abitur und Studium in diesen Berufen gute Leistungen erbringen können, sind die Anteile dieser Jugendlichen gering.  
  • Der Beruf des/der Systemelektronikers/in hat mit 9,4 % den höchsten Anteil an Auszubildenden mit einem Hauptschulabschluss. In diesem Beruf findet auch eine besondere Ausbildung für Benachteiligte mit dem Ziel eines Vollabschlusses statt (...).
  • Der hohe Anteil von Jugendlichen mit höherem Bildungsabschluss bringt es ebenfalls mit sich, dass die Jugendlichen bei Ausbildungsbeginn relativ alt sind: Fachinformatiker/in sind zu 32,4% und Mediengestalter/in sind zu 49.5 % bei Ausbildungsbeginn über 22 Jahre alt. 
  • Bei der Konzipierung der neuen IT- und Medienberufe wurden Ansätze verfolgt, die sich von der bisherigen Ausbildung in herkömmlichen Berufsbildern grundsätzlich unterscheiden, und die auch den Bedürfnissen benachteiligter Gruppen entgegenkommen könnten,  z.B.: Integration der traditionellen Berufsfelder des gewerblich-technischen und des Wirtschafts-Bereichs, Lernfelder statt Fachunterricht, etc. 
  • Es gibt in Deutschland jedoch nur sehr wenige Ausbildungsmöglichkeiten mit dem Ziel eines Vollabschlusses für Benachteiligte in den IT- und Medienberufen. Neben einer größeren Anzahl von berufs- bzw. ausbildungsvorbereitenden Maßnahmen steht die Masse der Projekte, die auf mehr oder weniger berufsrelevante Weise versucht, Jugendlichen Medienkompetenz beizubringen (Internet-Cafes etc.).  
  • Viele Träger scheuen den Aufwand, Ausbildungsprogramme im IT-Bereich für Benachteiligte zu entwickeln. Zudem ist es für sie schwierig, entsprechend qualifiziertes Personal zu rekrutieren. 
  • In der Ausbildung erfolgreich sind vor allem ältere männliche benachteiligte junge Erwachsene, die sich auch im privaten Bereich sehr intensiv mit dem Computer befassen ("Computer-Freaks") oder aber Jugendliche, die Kenntnisdefizite durch Fleiß ausgleichen. Die Abbrecherquoten sind nach informellen Aussagen relativ hoch. 
  • Um den hohen Anforderungen der Ausbildungen zu entsprechen, brauchen Benachteiligte: Zeit für Wiederholungen, Vertiefung und Stabilisierung. 
  • Methodisch muss die Ausbildung motivations- und aktivitätsfördernde Projekte nutzen und in realitätsnahen handlungsorientierten Zusammenhängen angeboten werden. Seminaristische, frontale, ausbilderzentrierte Lernformen müssen auf ein Minimum beschränkt werden. Viele Jugendliche, die bei praktischen Arbeiten gute Fach- und Methodenkompetenz zeigen, blockieren aufgrund negativer Vorerfahrungen bei der Vermittlung von schulischem Wissen. 
  • Viel stärker als in anderen Berufsbereichen kann im IT-Bereich ein gegenseitiges Lernen und Unterstützen der Jugendlichen genutzt werden. Bewährt hat sich etwa der in einem Bonner Projekt entwickelte Ansatz des „Peer-Mentorship". Von daher liegt den meisten Auszubildenden auch mehr die Zusammenarbeit in der Kleingruppe als Einzelarbeit. 
  • Praktika können in den meisten Regionen nicht ausschließlich in IT- oder Medienbetrieben im engeren Sinne durchgeführt werden. Es müssen auch andere (öffentliche) Einrichtungen herangezogen werden (Volkshochschulen, öffentliche Bibliotheken etc.). ...


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Referenz:
Jugendsozialarbeit News, © Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische
Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V., Redaktion: Andreas Gaida

[ 28.01.2002 ]

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