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Gastbeitrag
Der
Einsatz von Simulationen im Unterricht
Von Jörg Streit (Berlin)
Der Begriff „Simulation“
bezeichnet im nachfolgenden Text die computergestützte Simulation,
auch wenn einige Aspekte auf jede Art von Simulation zutreffen.
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Was
sind Simulationen und welche Aufgaben sollen sie erfüllen?
Allgemein gesehen stellen Simulationen ein Abbild oder einen Ausschnitt
der Realität dar. Durch den Umgang mit einer Simulation sollen den
Anwendern Einblicke in ein System oder Erkenntnisse über das eigene
Verhalten in bestimmten Situationen geboten werden. Hierbei ist zu beachten,
daß dieser „Ausschnitt der Realität“ stark vereinfacht wurde.
Die Realität ist grundsätzlich wesentlich komplexer als das in
einer Simulation gebotene Modell. Daher ist es für die Anwender und
die Lehrer/Instruktoren wichtig, die Einschränkungen und eventuell
vorhandene Abweichungen der Simulation vom realen Geschehen zu kennen.
Nur aus der Kenntnis um die Unzulänglichkeiten der Simulation lassen
sich gewonnene „Erfahrungen“ übertragen. „Erfahrungen“ lassen sich
allerdings nur dann sammeln, wenn die Simulation eine Interaktion mit den
Anwendern zuläßt. Programme, die auf Knopfdruck hin Prozesse
nachbilden, den Anwendern jedoch keine Eingriffsmöglichkeit bieten,
ermöglichen in wesentlich geringerem Maße, sich mit Problemlösungen
ausein-anderzusetzen, als dies Programme mit vielen Interaktionsmöglichkeiten
zulassen. In solchen Simulationen müssen die Anwender sich aktiv einbringen.
Handlungsstrategien müssen entwickelt werden und auch fehlerhaftes
Vorgehen (im Sinne der Simulation) muß erkannt und gegebenenfalls
korrigiert werden. Gute Simulationen schaffen einen Freiraum zum Experimentieren.
Dieser Freiraum soll anregen, auch ungewöhnliche Lösungswege
zu beschreiten. Denn „falsche“ Analysen und „falsches“ Vorgehen belastet
die Simulation, nicht die Realität. Setzt der Anwender innerhalb der
Simulation beispielsweise seine finanziellen Mittel unklug ein, wird er
dafür nur in der Simulation zur Rechenschaft gezogen. Schlußfolgerungen
aus dem eigenen Handeln können also wesentlich streßfreier durchgeführt
werden. Ob sich die Anwender nach dem Einsatz einer Simulation in der Realität
ähnlich oder auf keinen Fall so verhalten werden, ist fraglich. Wie
bereits erwähnt ist die Realität wesentlich komplexer.
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Grundsätze
für den Unterrichtseinsatz von Simulationen
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A) Die gewählte Simulation
soll sinnvoll in die Unterrichtsthematik und den Unterrichtsverlauf
eingefügt werden.
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B) Die Lehrenden müssen
die Simulation inhaltlich und von der Handhabung her beherrschen.
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C) In einem gemeinsamen Unterrichtsgespräch
werden die Ergebnisse besprochen und ausgewertet.
Dies soll an einem Beispiel
deutlich gemacht werden:
Im Unterricht wurde das
Thema Handelskalkulation behandelt. Nun soll überprüft werden,
inwieweit die Anwender die Zusammenhänge zwischen Betriebskosten,
Einkaufspreisen und Verkaufspreisen verstanden haben.
Eingesetzt wird ein Unternehmensplanspiel
in welchem die Anwender Waren unter Berücksichtigung von Rabatten
einkaufen, Betriebskosten zu berücksichtigen haben und die Waren nach
Preiskalkulation auf dem Markt in Konkurrenz zu anderen Händlern
- einer bestimmten Nachfragesituation entsprechend - anbieten.
Inhalt und Verlauf der Simulation
sind eng an das Unterrichtsthema gebunden. Didaktisch wird eine Transferleistung
erwartet, die gleichzeitig der Festigung des Wissenstandes dient.
Damit der Simulationseinsatz
erfolgreich verläuft, muß den Anwendern die Bedienung der Simulation
und bestehende Interdependenzen der Aktionen ausreichend erläutert
werden. Das gelingt nur, wenn die Lehrenden selbst gute Kenntnisse über
das Programm besitzen. In besonderem Maße gilt dies für die
Programmbedienung während des Simulationsverlaufs. Sollten die Anwender
„hängen“ bleiben oder Werteveränderungen nicht verstehen, müssen
die Lehrenden hilfreich zur Seite stehen. Aber auch um konkrete Unterrichtskonzepte
entwerfen zu können, sind gute Kenntnisse über die Simulation
notwendig. Besonders der Zeitaufwand und die Grenzen der Simulation müssen
bekannt sein.
Eine gemeinsame Besprechung
der einzelnen Ergebnisse ist in vielerlei Hinsicht vorteilhaft. Die Anwender
haben grundsätzlich das Bedürfnis, das eigene Ergebnis vorzustellen
und sich mit anderen Anwendern auszutauschen. Dies läßt sich
für die Auswertungsphase gut nutzen. Über die nackten Werte hinaus
sollten aber auch die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Anwender thematisiert
werden.
Daraus entwickeln sich zumeist
sehr fruchtbare Diskussionen über das „Händlerverhalten“ (unser
Beispiel) allgemein und Problemlösungsstrategien in bestimmten Situationen.
Aus den vorgestellten Lösungsansätze wiederum lassen sich sehr
gut gemeinsam neue Problemlösungsstrategien entwickeln, die bei ausreichender
Zeit sogar noch ausprobiert werden können.
Findet eine Besprechung
nicht statt, gerät die Beschäftigung mit einer Simulation zum
Selbstzweck. Natürlich werden die Anwender auch ohne Lehrerintervention
Schlüsse aus ihren Handlungen ziehen können, eine fundierte Auswertung
wird allerdings wohl kaum durchgeführt. Dies wäre doch recht
unbefriedigend und rechtfertigt wohl kaum den Zeitaufwand, der betrieben
werden mußte.
Ein weiterer positiver Aspekt
des Einsatzes von Simulationen ist die Schülerzentriertheit. Die Anwender
genießen während der Programmbenutzung eine relative Autonomie.
Sie treffen eigene Entscheidungen, mit welchen Programmabläufe beeinflußt
werden, die wiederum die Grundlage für neue Handlungen bieten. Entdeckendes
Lernen wird stark gefördert, selbständiges Handeln wird
„unterstützt“. Denn innerhalb eines Handlungsrahmens entscheiden die
Anwender eigenverantwortlich. Dieser Effekt wird im Falle von Partner-
oder Gruppenarbeit sogar noch durch die Auseinandersetzungen innerhalb
der Gruppe verstärkt. Eigene Positionen werden vorgestellt und unter
Umständen von anderen Gruppenmitgliedern kritisiert.
Ob der Unterricht mit Simulationseinsatz
gelingt, hängt im wesentlichen von der Planung und Vorbereitung durch
die Lehrenden ab. Dies ist allerdings bei jedem Medieneinsatz der Fall,
also etwas systemimmanentes.
Warum Simulationen immer
noch sehr wenig eingesetzt werden, liegt wohl im recht hohen Vorbereitungsaufwand
und in der Furcht, sich vor den Schülerinnen und Schülern zu
blamieren, begründet. Aber: Der Mehraufwand wird faßt immer
durch das angenehme Lernklima bei Simulationseinsätzen belohnt. (JStreit.Berlin@t-online.de)
Jörg
Streit möchte mit diesem Beitrag eine Diskussion über den Einsatz
von Simulationen und Planspielen im Unterricht anstossen. Wenn Sie einen
Beitrag zu dieser Diskussion haben, schreiben Sie an den Arbeitskreis Computer:
Schmitt-Koelzer@t-online.de
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