Computer-Magazin

 
eLearning Papers Nr. 15  -  Die neue Lerngeneration
Kinder und Jugendliche wachsen in modernen Gesellschaften in einer Welt auf, in der digitale Technologien allgegenwärtig sind. Die weit verbreitete Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Online-Diensten durch junge Leute in ihrem Alltagsleben für Freizeit, Unterhaltung und soziale Interaktion wirkt sich auf ihre Lernbedürfnisse, -anforderungen und -erwartungen aus. Sie müssen Fähigkeiten und Kompetenzen für die Selbstentwicklung, die Partizipation in der Gesellschaft und zukünftige Arbeitsverhältnisse erwerben. In zunehmendem Maße setzen sie auch IKT für Lernzwecke ein, oft außerhalb des Klassenraums. Dies führt zur Entstehung einer „neuen Lerngeneration“ (die von der OECD/CERI auch als New Millennium Learners bezeichnet wird) und neuer Lernmethoden, einschließlich informeller Formen, zu denen die Möglichkeiten, die die IKT bieten, wesentlich, wenn auch nicht unbedingt entscheidend beitragen.

Diese Sonderausgabe über die „neue Lerngeneration“ und die „neuen Lernmethoden“ soll Berichte, praktische Beispiele und theoretische Beiträge zu dieser entstehenden neuen Lernlandschaft bieten. Einer Landschaft, die von einer Reihe neuer IKT-Tools, Social-Computing-Anwendungen (Web 2.0 und Learning 2.0) sowie mobilen und spielegestützten Bildungsangeboten gebildet wird, die sich wesentlich von früheren IKT-Tools und Web 1.0-Anwendungen unterscheiden. Die „sozialen Technologien”, die seit 2003 aufgekommen und von den Benutzern massenhaft angenommen worden sind, öffnen neue Wege im Vergleich mit der vorangegangenen Generation von IKT-Tools, die zur Automatisierung und Digitalisierung analoger Methoden eingeführt wurden. Letzteres bezieht sich auf das in Industriegesellschaften vorherrschende instruktionistische, also vertikale, hierarchische und exklusive Lernparadigma, das Lernende als passive Empfänger betrachtet, während das aktuelle und zukünftige Lernen in einer digitalem, wissensbasierten Gesellschaft horizontaler, heterarchischer und offener ist und die Lernenden als aktive Mitwirkende begreift.

Von dieser Verschiebung hin zu neuen Lernmethoden und einer neuen Generation von Lernenden sind bisher nur erste, wenn auch kräftige und ergiebige Anzeichen zu erkennen. Die Auswirkungen auf bestehende Lernpraktiken und -einrichtungen werden im kommenden Jahrzehnt jedoch ein breiteres, tief greifenderes und möglicherweise disruptives Ausmaß annehmen. Dies wird neue Herausforderungen mit sich bringen, von denen sich einige bereits heute abzeichnen: die Bedeutung transversaler Fähigkeiten (z. B. Learning-to-learn-Kompetenz, Kreativität, Innovation, Zusammenarbeit) für zukünftige Arbeitsverhältnisse; die essentielle, jedoch im Wandel begriffene Rolle der Lehrkräfte und/oder Lernförderer; der zunehmende Wert des informellen Lernens; die alternativen Methoden zur Bewertung und Bescheinigung impliziten Wissens (tacit knowledge) und Erfahrungswissens usw. Bei Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen, aber auch bei anderen Organisationen und politischen Entscheidungsträgern, ist bereits ein Bewusstsein vorhanden für die Dringlichkeit, Wege zur Förderung der neuen Lerngeneration zu finden, neue Lernmethoden zu ermöglichen und sicherzustellen, dass die für zukünftige Arbeitsverhältnisse erforderlichen Kompetenzen erlangt werden. Es muss unbedingt dafür gesorgt werden, dass das Lernen im Europa des 21. Jahrhunderts effizienter, equitativer, innovativer und bedeutungsvoller wird als es bisher je gewesen ist.
Quelle: http://www.elearningpapers.eu/

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