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Neue Coaching-Plattform: Virtuell Lernen lernen


Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF), hat exklusiv für das Fernlerninstitut ein virtuelles Lerncoaching entwickelt. Ein Interview mit dem Erfinder.

Herr Prof. Dr. Geißler, Sie sind seit vielen Jahren im Bereich virtuelles Coaching aktiv. Wie ist es zur Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der Hamburger Akademie gekommen?

Prof. Geißler: Als ich mein erstes Programm, das Virtuelle Selbstcoaching (VSC), Anfang 2007 online stellte, bin ich schnell von der Hamburger Akademie angesprochen worden. Man hatte dort erkannt, dass die Grundidee dieses Programms auch für die Unterstützung von Fernlernern genutzt werden kann. Die an mich gestellte Frage lautete deshalb, ob es möglich wäre, für den spezifischen Bedarf der Akademie, das heißt mit Bezug auf die Besonderheiten ihrer Zielgruppe, ein entsprechendes Programm zu entwickeln. Ich nahm die Herausforderung gern an. So wurde die Idee geboren, ein Virtuelles Lerncoaching (VLC) zu entwickeln.

Was kann man sich unter einem „virtuellen Lerncoaching“ vorstellen?

Prof. Geißler: Das virtuelle Lerncoaching ist eine Innovation, die es bisher nur bei der Hamburger Akademie für Fernstudien gibt. Dabei werden mehrere Dinge auf ganz neue Art miteinander verbunden: Zunächst haben wir das Moment Coaching. Coaching bedeutet individuelle Beratung, jedoch nicht im Sinne einer Experten-Beratung, sondern als Prozess-Beratung. Das heißt, dass der Coach nicht die Rolle des Lehrers einnimmt, sondern Hilfe zur Selbsthilfe leistet – er gibt Anleitung zur Selbstreflektion. Diese allgemeine Methode des Coachings wird nun auf einen speziellen Inhaltsbereich bezogen, nämlich auf das Lernen, beziehungsweise genauer: auf das Lernen des Lernens. Das heißt, Lernen ist etwas, was selbst gelernt sein muss – ganz unabhängig davon, auf welche Inhalte sich das Lernen bezieht. Und um gut zu lernen, benötigt man Lernmethoden. Im virtuellen Lerncoaching verbindet sich Coaching also mit dem Lernen des Lernens – damit sind zwei der drei Elemente des virtuellen Lerncoachings erklärt. Das dritte Teilstück ist der virtuelle Charakter. Virtuell bedeutet, dass die Methoden des Coachings mit den Möglichkeiten der modernen Medien, vor allem des Internets, verbunden werden.

Welche Vorteile haben Teilnehmer des virtuellen Lerncoachings, und wie verläuft die Zusammenarbeit zwischen Lerncoach und Lernenden?

Prof. Geißler: Der Nutzer des VLC-Tools, also der Lernende der Hamburger Akademie für Fernstudien, entscheidet sich zunächst, ob er mit dem virtuellen Lerncoaching arbeiten will oder nicht. Dann kann er wählen, ob er dem Lerncoach der Hamburger Akademie ein so genanntes „Leserecht“ geben will, sich also betreuen lassen will. Es gibt Lernende, die mit der Plattform arbeiten, sich aber dagegen entscheiden, dem Lerncoach Einblick in ihre Eintragungen in das VLC-Tool zu gestatten. Das heißt, dass sie das virtuelle Lerncoaching ausschließlich zur Selbstreflektion nutzen. Erteilt ein Lernender dem Lerncoach jedoch ein Leserecht, dann hat der Coach die Verpflichtung, die Eintragungen, die der Lernende in das Internet-Tool vornimmt, sorgfältig zu lesen. Vermutet er Unterstützungsbedarf, dann meldet er sich bei ihm per E-Mail oder per Telefon. Hier liegt eine entscheidende Innovation dieses Systems: Es ist anonymer als eine direkte Beratung, und man gibt die Unterstützungsinitiative in die Hand des Lerncoachs. Mit anderen Worten: Die Motivationsschwelle, die zur Nutzung des Angebots überwunden werden muss, ist sehr niedrig.

Wie funktioniert das virtuelle Lerncoaching genau?

Prof. Geißler: Der Grundgedanke ist, dass das Lernen des Lernens letztlich immer ganz und gar vom Lernenden geleistet werden muss. Das schließt natürlich nicht aus, dass man ihn dabei unterstützen kann und sollte. Konkret: Das VLC-Tool unterstützt den Lerner durch inhaltliche Anregungen wie etwa Leitfragen, mit denen er sich auseinandersetzen soll, um seine Lernmethoden zu überprüfen und zu verbessern. In der Lerncoaching-Plattform wird eine Fragensystematik angeboten, die sich auf die zentralen Lernmethoden bezieht. Konkret gesprochen: Stellen Sie sich die Anwendung wie ein DIN A4-Blatt vor, auf dem Fragen zu lesen sind. Die Fragen sind sehr einfach zu beantworten, teilweise werden lediglich Skalenwerte abgefragt. Zum Beispiel: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Zeitmanagement gewesen – auf einer Skala von Null bis Zehn? Mit dieser Systematik zielen wir punktgenau auf das Wesentliche, ohne den Usern zeitlich oder sprachlich zu viel abzuverlangen.

Was sind die Lernprobleme der Teilnehmer? Warum lernt der eine leicht, während der andere sich mühsam durch den Lernstoff arbeitet?

Prof. Geißler: Ein Fernlehrgang erfordert viel Selbstdisziplin. Das fällt nicht allen Lernenden leicht. Manche haben Probleme mit der Selbstorganisation, dem Zeitmanagement sowie den Lernmethoden. Darunter leidet die Motivation. Viele Lernende haben hoch motiviert angefangen – und irgendwann hat die Motivation rapide abgenommen. Das können wir ziemlich genau sehen, weil in der Fragensystematik des virtuellen Lerncoachings zunächst der Motivationswert abgefragt wird. Da liegt die Motivation plötzlich beispielsweise nur noch bei drei oder vier von zehn Punkten. Dann gibt es den zweiten Typus: Diejenigen, die die Lernmethoden gut beherrschen, aber explizite Unterstützung beim Zeitmanagement benötigen. Der dritte Lerntypus beherrscht – vereinfacht gesagt – bereits alles, er will einfach nur noch besser werden.

Als Beispiel: Ich bin zeitlich schlecht organisiert, das Lernen kommt immer zu kurz, meine Motivation sinkt. Was könnte eine typische Beratungsleistung sein?

Prof. Geißler: In diesem Falle wäre es wichtig, dass der Lernende zusätzlich die Unterstützung des Lerncoachs der Hamburger Akademie anfordert. Konkret heißt das: Auf der Grundlage der Eintragungen, die er im VLC-Tool vorgenommen hat, klärt er in einem Telefonat mit dem Lerncoach, wie seine Zeitfenster besser geplant werden können. Dabei achtet der Lerncoach darauf, dass der Lernende sich mit Blick auf die nächsten ein bis zwei Wochen ganz konkrete Schritte zur Verbesserung seines Zeitmanagements vornimmt. Ziel könnte zum Beispiel sein, am Wochenende jeweils einen Halbtag zu lernen und diese Zeit in 90-Minuten-Einheiten zu gliedern, so dass genügend Erholungspausen vorhanden sind. Das alles wird im VLC-Tool schriftlich fixiert. Und dann kommt der nächste wichtige Schritt: Der Lerncoach muss in den nächsten ein bis zwei Wochen aufmerksam „am Ball bleiben“ und beobachten, ob der Lernende das, was er sich vorgenommen hat, auch wirklich umsetzt. Wenn das nicht geschieht, schreibt er ihm eine E-Mail und erinnert ihn freundlich.

Die Hamburger Akademie bietet ja auch das smartLearn®-Konzept an, das auf den jeweiligen Lerntyp zugeschnittene Lernmethoden empfiehlt. Wie passt das neue Coaching zum smartLearn®-Angebot?


Prof. Geißler: Das virtuelle Lernchoaching fügt sich ideal in das smartLearn®-Konzept ein. Es ist eine perfekte Ergänzung zu den smartLearn®-Angeboten, etwa zu den Ein-Tages-Veranstaltungen, in denen vermittelt wird, wie man sich am besten organisiert und welche Lerntechniken sich anbieten. Hier wird alles das ausführlich besprochen, worauf sich das virtuelle Lerncoaching anschließend bezieht.

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