Computer-Magazin

 
 
Meldung aus der Mailingliste des Deutschen Schulweb: Dissertation untersucht den Umgang von Frauen und Mädchen mit dem Internet

Hiltrud Westram: Schule und das neue Medium Internet - nicht ohne Lehrerinnen und Schülerinnen.

Die an der Universität Dortmund entstandene Dissertation steht in verschiedenen Versionen unter der folgenden Adresse zum Download bereit:

http://eldorado.uni-dortmund.de:8080/FB12/inst3/forschung/1999/
westram

Abstract: (dieser Seite entnommen)

In der Arbeit wurde den Fragen nachgegangen, warum die Beteiligung sowohl von Lehrerinnen als auch Schülerinnen beim Einsatz des Internet in der Schule so gering ist und wie dies geändert werden kann. Nach verschiedenen Vorerhebungen wie

  • der Auswertung von Fragebögen einer Klasse 10 (Gymnasium) und einer Expertenrunde von Lehrkräften zur Einführung des Internet 
  • Analyse der Beiträge zweier ausgewählter Mailinglisten zum Internet in der Schule 
  • Untersuchung der Homepages von Gymnasien 
wurden 1344 Projektanträge, mit denen sich Schulen in NRW um Teilnahme bei Schulen ans Netz - Verständigung weltweit bewor-
ben haben, quantitativ ausgewertet. Dabei stellte sich eine extreme Ungleichverteilung von Frauen und Männern am
Projekt sowie eine sehr dominante Beteiligung von Lehrkräften des mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachbereichs heraus.
Zur Begründung dieser "nackten", erklärungsbedürftigen Zahlen sollten ExpertInneninterviews geführt werden, was sich schnell als wenig ergiebig herausstellte. Statt dessen wurden narrativ episodische Interviews mit 10 Lehrerinnen und 20 Lehrern (die z.T. als ModeratorInnen tätig sind) geführt, wodurch Gründe für die geringe Beteiligung von Lehrerinnen und Schülerinnen sichtbar wurden. Die Interviews mit zwei Moderatorinnen und zwei Moderatoren wurden umfangreich ausgewertet und eine Typisierung unterschiedlicher LehrerInnenpersönlichkeiten im Umgang mit dem Internet vorgenommen. In der Arbeit kam eine
Methodenkombination von quantitativen und qualitativen Verfahren zur Anwendung, um den Untersuchungsgegenstand aus unterschiedlichen Perspektiven ausleuchten zu können. Einige ausgewählte Beispiele aus den schulischen Aufgabenfeldern
zeigen auf überzeugende Weise, dass es sehr wohl geeignete Projekte gibt, die zu angemessener Beteiligung von Mädchen führen. Dadurch konnten zu den oben aufgestellten Fragen 
detailliert Stellung bezogen werden. Als Ergebnis kann u.a.
festgehalten werden: 
  • Die Beteiligung von Lehrerinnen und Schülerinnen ist bisher marginal. 
  • Die dem Internet aufgeschlossene (kleine) Gruppe der Lehrerinnen, gehört entgegen gängiger Klischees eher der Gruppe der älteren (mit erwachsenen Kindern) an. Durch die Auswertung der Interviews konnten plausible Gründe dafür gefunden werden. 
  • Die Beteiligung von Mädchen hängt stark von den Fächern ab, in denen das Internet als Medium eingesetzt wird: sind es gern gewählte Fächer wie z. B. Sprachen (u. U. auch Kurse, in denen sie die Mehrzahl der Teilnehmenden stellen) akzeptieren sie den Einsatz des neuen Mediums Internet eher als in anderen. 
  • Die Beteiligung und das Engagement von Schülerinnen als auch die Akzeptanz monoedukativer Kurse durch Mädchen und Jungen hängt ganz entscheidend von den Persönlichkeiten der beteiligten Lehrkräfte ab. 
  • Mädchen können beispielsweise durch ihre Vorliebe für Chatten an das Internet herangeführt werden. 
  • Die Verknüpfung des Internet mit Informatik, der oftmals anzutreffende synonyme Gebrauch beider Wörter und die vielfach vorherrschende Meinung, fundierte Kenntnisse in der Informatik seien für einen qualifizierten Einsatz des Internet notwendig, sind eine kaum zu überwindende Hürde für viele Lehrkräfte.
  • Der Schlüssel zum Computer- oder besser Medienraum ist einer der zentralen Punkte: einerseits halten ihn Informatiklehrer unter Verschluß, andererseits ist die Hemmschwelle von Lehrkräften anderer Fächer kaum überwindbar. 
  • Lehrerfort- und -weiterbildung sind dringend notwendig und zwar sowohl für einen kompetenten Umgang mit dem neuen Medium Internet als auch zu geschlechtsspezifischen Aspekten bzgl. des Verhaltens von Mädchen und Jungen bei der Arbeit am Computer. 
Insgesamt wurde ein durch die enge Verbindung von Internet mit Informatik geprägter Prozess der schulischen Neu-Konstruktion von Geschlechterdifferenzen in einem Feld, das zunächst keine geschlechtstypischen Zuschreibungen aufwies, rekonstruiert. Daraus resultierend wurden Vorschläge unterbreitet, wie eine größere Beteiligung von Lehrerinnen und Schülerinnen erreicht werden kann. Es wurden pädagogische Konsequenzen und Empfehlungen für ihre verstärkte Einbindung
in die schulische Arbeit mit dem Internet dargestellt. 

Die Arbeit ist die elektronische Version der Dissertation 
'' Westram, Hiltrud: Schule und das neue Medium Internet - nicht ohne Lehrerinnen und Schülerinnen!". 

Schlagworte: Schule; Neue Medien; Informations- und Kommunikationstechnologien; Geschlechterverhältnisse; Gymnasium; Unterricht; Geschlechterrolle; Lehrerin; Schülerin

Die eMail der Verfasserin: Westram@RWTH-AACHEN.DE

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