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Pressemitteilung von Global Learning
Insolvenz der BildungPlus: E-Learning für freie Weiterbildung noch nicht marktreif?

 
13.05.04 - Mit dem Insolvenzantrag der Bremerhavener BildungPlus GmbH am 23.03. ist der Versuch, einen bundesweiten E-Learning-Dienstleister für die ca. 1100 deutschen Volkshochschulen zu etablieren, vorerst gescheitert.

Die Konsequenzen für alle Beteiligten sind unschön: Für etwa 10 Personen verschwindet der Arbeit- bzw. Auftraggeber des vergangenen Jahres. Das Land Bremen verzeichnet den ersten Insolvenzfall einer Beteiligungsgesellschaft, und Investitionen in Höhe von 1,5 Mio. € können abgeschrieben werden. Für die Kunden von BildungPlus bricht der E-Learning-Partner weg, auch wenn die technische Fortführung von Online-Kursen durch die T-Systems bis auf weiteres angeboten wird.

Indirekt betroffen ist auch diese Website, die BildungPlus seit Jahren unterstützend begleitet hat. Den größten Kollateralschaden aber dürften vergleichbare, öffentlich geförderte Projekte davontragen. Sie werden mit wachsender Skepsis und zunehmend kritischen Fragen zu Überlebensfähigkeit und Nachhaltigkeit zu rechnen haben.

Ein kurzer Rückblick:

1999 versuchen die VHS Bremen und Bremerhaven im Bremer Förderprojekt ILOC ihr Angebot mit neuen Medien zu erweitern. Als sich - bald - herausstellt, dass sich ein regional begrenztes Vorhaben wirtschaftlich nicht tragen wird, entsteht das bundesweit agierende Projekt vhs-virtuell. 

2001 wird der Beschluss zur Gründung der BildungPlus GmbH gefasst, mit der Stadt Bremerhaven sowie der Stadt und dem Land Bremen als Gesellschafter. Die Deutsche Telekom sagt zu, sich an einer 2jährigen Förderung zu 50% zu beteiligen. 

Seit Jahresbeginn 2002 fließen Fördergelder. Die Gründung der GmbH wird jedoch um 9 Monate verzögert, offenbar wegen Querelen zwischen den öffentlichen Gesellschaftern. Ein Kooperationspartner der ersten Stunde, die Volkshochschule Konstanz-Singen, zieht sich zurück. "Die Mehrzahl unserer Klientel ist nicht an virtuellen Lernerfahrungen interessiert", erklärt der VHS-Leiter Dr. Jochen Schmidt-Liebich lapidar. 

Die VHS Bremen, Ursprungsort des Projekts, fällt als Referenz aus: Hier sind seit Ende 2002 alle Kräfte durch die Implementierung einer neuen Verwaltungssoftware gebunden. 

BildungPlus wird dennoch 2003 im VHS-Bereich zum bekanntesten E-Learning-Anbieter. Der Landesverband der VHS NRW erklärt sich zur Kooperation bereit, Gespräche mit anderen Landesverbänden sind aussichtsreich. Die größte VHS Deutschlands, die VHS Köln, wird wichtiger Kunde. 

Die finanziellen Ergebnisse sind jedoch ernüchternd: Bis Ende 2003 wird nur ein Zehntel der ursprünglich angepeilten Einnahmen von 0,3 Mio.€ als Umsatz verbucht, der operative Break-Even soll nun 2006 - zwei Jahre später als vorgesehen - erreicht werden. Ein Return of Invest liegt so weit in der Zukunft, dass er in der mittelfristigen Planung nicht vorgesehen werden kann. 

Der Markt erweist sich schwieriger als erwartet. Die Nutzungskosten für die Lernplattform der T-Systems sind mit 700 € pro Jahr und VHS erschwinglich, doch kommen Kosten für die Ausbildung von Tutoren und die Nutzung von Lernsoftware hinzu. In der Summe kann dies oft nicht durch Teilnehmergebühren allein abgedeckt werden. Die Situation der kommunalen Haushalte erlaubt aber kaum weitere Zuschüsse, und die Budgetentscheidungen fallen vor Ort - so wichtig Kooperationsvereinbarungen mit Landesverbänden auch sind. 

Ende 2003 beschließen Bremen und Bremerhaven die "stille Abwicklung" von BildungPlus, im März 2004 lehnt die Deutsche Telekom die weitere Förderung ab. 

Sind dem Management des Bildungsunternehmens Fehler anzulasten? Hätten die Geldgeber mehr Geduld aufbringen müssen, um einem aussichtsreichen Unternehmen eine weitere Chance zu geben? Oder waren einfach die Schwierigkeiten des Markts - noch - zu groß? Die Diskussion darüber wird unter den direkt Betroffenen gewiss noch eine Weile andauern. (Edgar Wang, Freier Fachautor) 

Referenz: Global Learning
 

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