Computer-Magazin

 
Schade !!!

Editorial der Redaktion zum letzten Heft von "medien praktisch" (Heft 2/03) Abschied von Morgen- Zur letzten Ausgabe der Zeitschrift medien praktisch
 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich möchte mich von Ihnen verabschieden. Mit der vorliegenden Ausgabe beende ich nach mehr als zwanzig Jahren meine Arbeit als Redakteur der Zeitschrift medien praktisch. Zwei Jahre vor der Altersgrenze wage ich, dank des Konstrukts „Altersteilzeit“, den Schritt in eine Lebensphase, die ich als verlockend und bedrohlich zugleich empfinde – denn es ist unwiderruflich die letzte (vgl. dazu das Editorial von medien praktisch 1/02 Why not? Bemerkungen zu einer schwierigen Lebensphase und ihrer Ästhetik). 

Nach meinem Ausscheiden stellt die Zeitschrift medien praktisch ihr Erscheinen ein. Die Gründe hierfür liegen nicht im konzeptionellen Scheitern des Projekts einer medienpädagogischen Zeitschrift der evangelischen Kirche. Die Gründe sind wie allerorten in diesen Tagen ökonomischer Art. Die finanzielle Situation des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (und der Evangelischen Kirche in Deutschland) hat sich in den letzten Jahren derartig zugespitzt, dass die Verantwortlichen unseres Hauses beschlossen haben, die freiwerdende Planstelle des Redakteurs nicht neu zu besetzen und die Zeitschrift, die 1977 gegründet wurde, im 27. Jahrgang einzustellen. Lassen Sie mich nur eine Zahl nennen, die eine Vorstellung davon gibt, wie die Kostensituation unserer Redaktion aussieht: Der Abonnementpreis für medien praktisch von jetzt 26 Euro müsste, wenn die Zeitschrift ohne Zuschüsse auskommen wollte, bei ungefähr 90 Euro liegen. Das entspricht etwa einem jährlichen Betrag von hunderttausend Euro, der nicht durch Einnahmen gedeckt ist. 

Ein zusätzliches fatales Signal, das diese Entscheidung nicht unwesentlich beeinflusst hat, wurde im vergangenen Jahr von den Beziehern der Zeitschrift gegeben: Erstmals seit 1983 gingen die Abonnentenzahlen deutlich zurück – und dies trotz der großen Wertschätzung der Zeitschrift in Fachkreisen und trotz der wohlwollenden Beurteilung, die unsere Arbeit in der Leserumfrage von 2002 erhalten hat (vgl. medien praktisch 4/02, S. 61ff.).

In der vorliegenden letzten Ausgabe hatten wir nicht die Absicht, Ihnen den Abschied leicht zu machen (ein wenig Bedauern von Ihnen, dass es diese Zeitschrift nicht mehr geben wird, erwarten wir schon): Auf diesmal hundert Seiten ohne Themenschwerpunkt haben wir unterschiedlichste Beiträge versammelt, die für dieses Heft geschrieben wurden oder bereits vorlagen und deren Veröffentlichung wir den Autorinnen und Autoren versprochen hatten. Deshalb mussten wir auf die traditionellen Medienrezensionen im Mittelteil des Heftes verzichten. Ich denke, dass es eine spannende Finale-Nummer geworden ist.

Danken möchte ich an erster Stelle den Autorinnen und Autoren nicht nur dieses letzten Heftes, sondern aller 105 Ausgaben davor. Ihnen gebührt vorrangig Anerkennung und Lob. Danken möchte ich weiter dem Beirat der Zeitschrift, der immer solidarisch und gut kritisch die Arbeit der Redaktion begleitet hat. Mein ganz persönlicher Dank gilt Anke Merzbach und Thomas Hammerschmidt, der Kollegin und dem Kollegen in der Redaktion, und unserer Grafikerin Katharina Gandner, die alle seit mehr als 15 Jahre an der Zeitschrift mitarbeiten. Ihr Anteil am Zustandekommen der Hefte ist nicht hoch genug zu veranschlagen. Mein Dank gilt aber auch dem Herausgeber dieser Zeitschrift, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und seinen Direktoren und Geschäftsführern, die in den letzten zwanzig Jahren die Arbeit der Redaktion mit Wohlwollen und Großzügigkeit unterstützt haben.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, danke ich für Ihr Interesse an unserem Heft und die jahrelange, oft jahrzehntelange Aufmerksamkeit, die Sie uns geschenkt haben. Aber keine Sentimentalitäten! Das Lesen geht weiter. Ich möchte Ihnen zum Abschluss die andere und zugleich älteste medienpädagogische Zeitschrift in Deutschland empfehlen: medien + erziehung. Abonnieren Sie merz! In der überarbeiteten Konzeption des Heftes, die in der zweiten Jahreshälfte sichtbar werden wird, werden Sie vieles von dem wiederfinden, was wir Ihnen in Zukunft nicht mehr bieten können. Unterstützen Sie weiterhin die medienpädagogische Zeitschriftenpublizistik!

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Ihr Johannes Gawert

Die Reaktion des Computer-Magazin sagt Danke für eine wunderbare Zeitschrift und wünscht Herrn Gawert alles Gute im Unruhestand.

Referenz: medienpraktisch

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