Multimedia-Initiative in Rheinland-Pfalz (rlp-inform) 

Am 18. Mai 1999 startete im Rahmen der ressortübergreifenden Multimedia-Initiative „rlp-inform“ eine Reihe mit 10 Multimedia-Foren. Das haben Ministerpräsident Kurt Beck und Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage in einer Presseerklärung mitgeteilt. Über 300 Technologieanbieter, Forschungseinrichtungen und Verbände werden in diesen Veranstaltungen sowie im Internet zukunftweisende Projekte vorstellen.
Folgende Foren wurden und werden angeboten: E-Commerce, Trustcenter und sichere Netze, Computer Based Training – Lernen im Netz, Forschungsverbund zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, Gesundheit vernetzen, Internet – globaler Markt für heimische Produkte und Dienstleistungen, Digitale Welt – neue Werkzeuge für die Medien, Logistik für den Online-Markt, Verwaltungsmodernisierung und Televerwaltung, Teleservice – Impulse für den Arbeitsmarkt. Die Abschlußveranstaltung findet am 30. September 1999 in Mainz als Multimedia-Kongress statt. Organisiert wird die Veranstaltungsreihe durch die Media Systems GmbH in Königswinter (Max Schulze-Vorberg).

Informationen rund um die Multimedia-Initiative gibt es auch im Internet unter der Adresse: 
(http://www.rlp-inform.rlp.de

Der Arbeitskreis Computer hatte Gelegenheit, das Multimedia Forum 3 ("Computer Based Training – Lernen im Netz“) am 08. Juni 1999 in Kaiserslautern zu besuchen. Neben Kurzreferaten und Diskussion gab es eine kleine, aber feine Begleitausstellung, den Info-Markt.

Nach der Begrüßung durch Dr. Burkhard Lehmann vom Zentrum für Fernstudien und universitäre Weiterbildung (Kaiserslautern) beschäftigte sich Dr. Karl-Josef Pieper (Mainz – Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung) mit der Frage „Medienkompetenz – die Schlüsselqualifikation für das kommende Jahrtausend“. Um diese zu verwirklichen, seien in den nächsten Jahren Investitionen von 80-120 Mrd.DM erforderlich. Pieper warnte allerdings davor, nur einseitig die Computertechnologie zu forcieren, wichtig sei ein Medienmix mit traditionellen Medien. Prof. Dr. Frank Thissen von der FH Stuttgart berichtete von vorbildlichen Initiativen in anderen Ländern, z.B. in England, wo bis zum Jahre 2002 ca. 700 Millionen Pfund für die Vernetzung der Schulen eingeplant seien. Nach eher allgemeineren Ausführungen über Wissen, Lernen und Gehin berichtete er über ein Virtuelles Seminar an der FH-Stuttgart zum Thema „Hypertext – was ist das?“.

Im dritten Beitrag von Gabriele Vieten (IBM Deutschland Informationssysteme) mit dem Titel „Distributed Learning – Online-Qualifizierung von Mitarbeitern aus der Wirtschaft“ hieß es zunächst, dass es in dieser großen Firma seit etwa 2 Jahren einen Aufschwung im Netzbasierten Training gebe. Das sogenannte „Distributed Learning“ erfolge über Internet, Intranet sowie über Lokale Netze (LAN). Vorteile für die Firma lägen in der Reduzierung von Reise- und Weiterbildungskosten sowie in der Verkürzung der Lernzeit. Der Vorteile für die Mitarbeiter/-innen lägen darin, daß das netzbasierte Lernen mit seinen verschiedenen Kommunikationsformen das „isolierte Lernen mit CBT“ überwinde. Elemente des netzbasierten Trainings seien: Selbststudium – virtueller Klassenraum – e-Briefings – Performance/Support – Virtuelles Bildungszentrum. Die Mitarbeiter/-innen hätten auch von zu Hause Zugriff auf das Netz. Materialien im Umfang von ca. 1700 Lernstunden stünden bis jetzt zur Verfügung. Geplant sei ein Assessment-Bereich. In der anschließenden Diskussion kam die Frage auf das direkte Online-Lernen. Dies sei im Moment noch eher die Ausnahme, weil dadurch die Vorteile der CD-ROMs wieder verloren gingen. Auf Grund der noch langsamen Netzgeschwindigkeiten reduzierten sich  Online-Lernen-Aktivitäten im wesentlichen auf Textinhalte. Nach Ansicht von Frau Vieten würden sich diese Nachteile aber durch die technologische Weiterentwicklung in den nächsten beiden Jahren ausgleichen, sodaß dann ein attraktives multimediales Online-Lernen entstehen werde. Sie wies im weiteren auf einige kritische Aspekte des Netz-Lernens und der Netz-Kommunikation hin: es sei unter Umständen problematisch, daß Menschen miteinander kommunizieren, die sich nicht kennen. Netz-Lernen stelle besondere Anforderungen an Trainer/-innen, weil es schwierig sei, eine virtuelle Lerngruppe zu motivieren. Hier seien entsprechende Erfahrungen zu machen und pädagogische Konzepte zu entwickeln.

Vor der Mittagspause stellten Jürgen Jung (Landesmedienzentrum Rheinland-Pfalz) den relativ neuen rheinland-pfälzischen Bildungsserver und Wolfgang Mohr (Daten- und Informationszentrum Rheinland-Pfalz) das „rlp-Netz“, also die Infrastruktur der Datenautobahnen in Rheinland-Pfalz vor.

Das Nachmittagsprogramm begann mit einem Vortrag von Volker Enckrodt (Sun Microsystems GmbH) mit dem Titel „Enterprise Learning Solution (ELS) – zur Integration von unternehmensweiten Lernsystemen“. Bei diesem System handelt es sich um ein offenes Werkzeug, das die unterschiedlichsten Lernprogramme und Lernsysteme integrieren könne. Das System biete die möglichkeit einer Nutzung schon vorhandener Lern-Module, ein Autoren-Modul zur Entwicklung neuer Inhalte, ein Teilnehmer/-innen-Verwaltungs-Modul sowie ein sogenanntes Examens-Modul, über das Tests absolviert werden könnten. 

Anschließend stellte Paul Göbel von der Deutschen Telekom AG die „Global-Learning.de – Plattform für Informations- und Schulungsanbieter“ vor. Auf dieser Plattform könnten Anbieter Inhalte ablegen. Sofern es sich dabei um gebührenpflichtige Dienste handele, könnten diese über die Telefonrechnung erfasst werden. Auf diesem „Lernmarktplatz“ im Internet seien heute Themen wie Betriebswirtschaft, Berufsorientierung, Mathematik, Physik, Wirtschaftsinformatik oder Fremdsprachen vertreten. So etwa  „Berlitz-Online“, das 1998 mit einem Pilotkurs startete und 1999 zwölf Sprachkurse in Englisch, Franzöisch, Spanisch und Deutsch anbiete. Daneben gebe es einen Demokurs English for Business.
Auch die Initiative des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog „Fit fürs Informationszeitalter“ habe ihren Platz auf der Global-Learning-Plattfornm gefunden.

Ein weiterer Vertreter der Telekom, Horst Stein, berichtete über die Aktion „Berliner Schulen Online“, wo in einem ersten Schritt 100 Schulen über ein Intranet verbunden würden. Auch stellte er die schon ein paar Jahre tätige COMENIUS-Initiative vor. Stand und steht der Name für Internet-Modellprojekte (das EU-Programm läuft im kommenden Jahr aus), stellte Herr Stein eine im Rahmen dieses Projektes entstandene telematisch gestützte Lehr- und Lernplattform für die Berliner Schulen vor. Dort gebe es interessante Lernmaterialien, Coaching, Hotline (via eMail oder Telefon), Schulung, Chat sowie ein grafisches Kooperationswerkzeug mit Namen Disnet.

Zum Abschluß der Veranstaltung stellten Ralf Schulz von Microsoft mit dem Thema „CBT für lebenslanges Lernen“ und Peter Holländer von Siemens Business Services mit dem Thema „SKIN – Erfahrungen mit einer Lernplattform“ weitere interessante Aspekte des Netz-Lernens vor. Der Vertreter von Microsoft stellte verschiedene Initiativen wie „MCP-Campus“, das „Authorized Academie Training Program (AATP)“, SKIN sowie eine Plattform für Programmentwickler vor. Peter Holländer stellte anschließend ausführlich das Projekt SKIN vor. Die Abkürzung stehe für Skill Improvement Network. Es handele sich um eine Online-Plattform für die Zertifizierung zum IT-Spezialisten (MCSE System-Ingenieur/-in für alle Microsoft-Programme). Es handele sich um eine nebenberufliche Ausbildung  - Dauer 6 Monate, bei der sich Präsenz-Veranstaltungen und Selbststudium mit Online-Unterstützung sinnvoll ergänzten. Ein Eingangstest werde dabei online absolviert, die Zertifizierungs-Tests müssten in einem der 13 Trainings-Center durchgeführt werden. Elemente dieses Projektes seien eine Online-Lernplattform, eine Wissensdatenbank, die ständig erweitert werde, der Tele-Tutor, Chat, eMail, Newsgroups sowie ein Auskunftssystem über häufig gestellte Fragen (FAQs). Zur Zeit liessen sich bundesweit 438 Teilnehmer/-innen ausbilden. Interessant sei die Arbeitsteilung bei SKIN: Microsoft entwickle die Trainingsmaterialen, Curricula und Tests, Siemens, Ditec und PROKODA führten diese Kurse durch und die Deutsche Telekom stelle mit Global Learning die technische Plattform bereit, auf der die Ausbildung multimedial durchgeführt werden könne. (Wolfgang Schmitt-Kölzer) 

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