Bücherecke


Bildungswege in der Infomationsgesellschaft

Zukunft der Bildung - Schule der Zukunft

Lernarrangements und Bildungsmarketing für Multimediales Lernen


Bildungswege in der Informationsgesellschaft BIG; neue Medien in den Schulen ; Projekte - Konzepte - Kompetenzen; eine Bestandsaufnahme, / Bertelsmann Stiftung / Heinz Nixdorf Stiftung, Gütersloh 1996, ISBN 3-89204-238-1, 248 Seiten, Preis: 24.80 DM.

Dieser Band gibt einen aktuellen Überblick zum Angebot und zur Qualität von Lernsoftware, berichtet über den Realisierungsstand von Medienkonzepten und Projekten in Schulen und beschreibt und bewertet die Situation der Lehreraus- und -fortbildung im Bereich neuer Medien. Aus den mit neuen empirischen Ergebnissen angereicherten Bestandsaufnahmen werden bildungspolitische und curriculare Empfehlungen abgeleitet. Die Recherchen wurden von der Arbeitsgruppe „Medienpädagogik" an der Universität-Gesamthochschule Paderborn unter Leitung von Professor Gerhard Tulodziecki in der zweiten Hälfte des Jahres 1995 durchgeführt. Der vorliegende Band ist Auftakt für eine Buchreihe, die begleitend zur Initiative B.I.G - Bildungswege in der Informationsgesellschaft herausgegeben wird. Die Gliederung des Buches orientiert sich an neun Leitfragen, die vor der Bestandsaufnahme von Vertretern der beiden Stiftungen und der Arbeitsgruppe aus Paderborn entwickelt wurden: 1.Software-Angebot für Unterricht und Schule 2.Lehr-/lerntheoretische Konzepte und Software-Entwicklung 3.Ansätze zur Bewertung von Unterrichtssoftware 4.Verantwortungsbewußte Nutzung neuer Medien 5.Erprobungen und Evaluationen 6.Lehrplandiskussion 7.Lehrerausbildung im Bereich neuer elektronischer Medien 8.Lehrerfortbildung im Bereich neuer elektronischer Medien 9.Qualitätsstandards für Lern- und Spielsoftware Aus den vorgenannten Punkten ist ersichtlich, daß die Untersuchung sehr breit angelegt war. Allerdings wurden Eingrenzungen bei den „Zielgruppen" vorgenommen: berufsbildungsspezifische und sonderschulspezifische Aspekte des Einsatzes von Lernsoftware konnten nicht berücksichtigt werden. Nun zu einigen Ergebnissen der Bestandsaufnahme. Im Frühjahr 1995 lag mit knapp 2500 am Markt verfügbaren Programmen ein quantitativ beachtliches Angebot (in der Datenbank SODIS erfaßt) vor, dessen Qualität allerdings zu wünschen übrig ließ. Nur 80 Software-Einheiten waren als für den Unterricht ausdrücklich empfehlenswert eingestuft. Bei der vorhandenen Unterrichtssoftware überwog eine behavioristische Grundorientierung, wie sie sich in der Entwicklung von Übungsprogrammen niederschlage. Verschiedene Modellversuche und Untersuchungen hätten gezeigt, daß neue elektronische Medien im Unterricht helfen können, bestimmte Lernziele besser zu erreichen, neue Lernziele anzustreben und neue Unterrichtsformen zu realisieren. Dies setze allerdings angemessene Zielreflexionen, lehr-/lern- und entwicklungstheoretische Überlegungen sowie die Verfügbarkeit geeigneter Software voraus. In Richtlinien und Lehrplänen aller Bundesländer werde eine refektierte Mediennutzung als wichtiges Ziel formuliert. Allerdings sei der Verbindlichkeitsgrad entsprechender Umsetzungen nicht immer hinreichend. Die Autorinnen und Autoren der Studie weisen auf eine Tendenz hin, Medienerziehung und informationstechnische Grundbildung stärker miteinander zu verknüpfen. Für den Bereich der Lehrer/-innenausbildung seien die Angebotsanteile für die Medienpädagogik deutlich zu gering. Für den Bereich der Fortbildung könnte sich eine Verzahnung von schulnaher Fortbildung und geeigneter Beratungs- und Unterstützungssystemen positiv auswirken. Für den Bereich der außerschulischen Lernsoftware gäbe es bisher keine öffentlichen institutionellen Zuständigkeiten für Informationen und Empfehlungen. Diese Kernthesen werden durch empirische Untersuchen belegt. Eine umfangreiche Literaturübersicht rundet den Hauptteil der Bestandsaufnahme ab. In einem Anhang sind Bewertungskataloge für Lernsoftware und Computerspiele sowie „Grundauszählungen" von Medienveranstaltungen in den Bereichen Lehrerausbildung und separat für das Fach Deutsch wiedergegeben. Ein informatives Buch. Bleibt zu hoffen, daß die ausgesparten Bereiche Berufsschule und Sonderschule in der angekündigten Buchreihe berücksichtigt werden, damit auch im Bereich von Lernsoftware die Idee der Gleichwertigkeit von schulischer und beruflicher Bildung keine Worthülse bleibt. (wsk)

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Zukunft der Bildung - Schule der Zukunft Denkschrift der Kommission „Zukunft der Bildung - Schule der Zukunft" beim Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, 1995, Luchterhand-Verlag, ISBN 3-472-02498-4, 354 Seiten, 14,80 DM.

Unter Vorsitz von Prof. Dr. Karl-Peter Grotemeyer (Universität Bielefeld) ist es der 23-köpfigen Kommission, die aus in- und ausländischen Fachleuten aller gesellschaftlichen Bereiche bestand, gelungen, ein beeindruckendes und zukunftsweisendes Dokument zu erstellen. Es ist der Aufruf zu einem neuen Reformvorhaben am Ende des Jahrhunderts, das sich nicht in der üblichen Anpassung des Bildungssystems an eine sich kontinuierlich weiterentwickelnde Gesellschaft erschöpfen könne, sondern grundlegende Neuorientierungen erfordere. Neben der Bewältigung veränderter Erziehungsaufgaben müsse die Schule ihre Aufgabe stärker darin sehen, die Bereitschaft und Kompetenzen für ein lebenslanges Lernen zu vermitteln. „Die Kommission hat sich für das Konzept der Schule als Lern- und Lebensraum entschieden und entfaltet ihre Vorstellungen von der Schule der Zukunft unter dem Bild ‘Haus des Lernens’. Schulen werden nicht als statisch gesehen, sie müßten lernfähig und veränderungswillig sein, um sich als lernende Organisationen zu entwickeln." Diese Leitideen werden in der Denkschrift sehr anschaulich entwickelt. Erfreulich ist, daß auch die „Sonderpädagogische Förderung" und „Berufliche Bildung und Weiterbildung" ihren Platz in diesem Reformkonzept gefunden haben. Wir wollen uns im folgenden auf die Aussagen der Denkschrift über das Lernen in der Informationsgesellschaft beschränken: „Die neuen Medien erweisen sich ... als Instrumente, die nicht nur im beruflichen und privaten Bereich, sondern auch in der Schule vielfältige Möglichkeiten differenzierten, motivierenden, kreativen und neuen Lernens schaffen können. Andererseits greifen die Informationen und Botschaften, die über die Medien an Kinder und Jugendliche herangetragen werden, immer nachhaltiger in deren Wahrnehmung, Urteilsbildung und Verhalten ein. Dies erfordert Entwicklung von Urteilsfähigkeit und Nutzungskompetenz." (Denkschrift, XIV) Die Verfasserinnen und Verfasser stellen in diesem Zusammenhang fest, daß die inhaltlichen und methodischen Sicherheiten, mit denen die Unterrichtsgestaltung bisher ihre Erfolge kalkulieren konnte, sich nicht mehr als tragfähig erweisen. Es werde zur Auslagerung von Lerneinheiten in individuelle, mediengestützte Selbstlernphasen kommen. Beim Umgang mit neuen Medien würden Schüler oft „Lehrer ihrer Lehrer". Diese Veränderungen in der Schule fänden statt vor einer bis heute nicht absehbaren Ausweitung der Mediennutzung. Neben den bisher getrennten Medien würden zunehmend integrierte Multimediasysteme zur Verfügung stehen. Der interaktive Umgang mit Medien würde eine Veränderung des Nutzerverhaltens weg von der reinen Konsumentenhaltung mit sich bringen. Vernetzung und globale Hochgeschwindigkeitsnetze würden einen weltweiten Zugriff auf Informationen und Datenbanken ermöglichen. Die Mediennutzer würden sich damit zum Teil aus den geografisch und sozial vertrauten Bindungen lösen, ihre Wahnehmungen und Erfahrungen würden stärker in globale Zusammenhänge hineingehen, Telekommunikation erzeuge neue Kommunikationsformen und Kontakte zwischen Menschen. Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Leitvorstellungen und Empfehlungen der Bildungskommission zu verstehen: - Schulische Medienpädagogik soll zu einer konstruktiven und kritischen Nutzung der Medien führen - Aufbau von Medienkompetenz bei allen Akteuren - Entwicklung von Formen selbstgesteuerten Lernens - Entwicklung eines pädagogischen Gesamtkonzeptes, das offene Arbeitsformen bevorzuge - Einbeziehung der Lernmöglichkeiten mit elektronischen Medien in die Lehrplanrevisionen - Einbeziehung der Medien als integrierte Medienpädagogik, d.h. sie soll sich auf möglichst viele Fächer, Lern- und Arbeitsbereiche erstrecken. - Entwicklung eines schulübergreifendes und auf eine integrierte Medienpädagogik ausgerichtetes Rahmenkonzept „Lernen mit Medien". - Kooperation mit außerschulischen Partnern - Ausstattungsinitiative - Ausbildung eines medienpädagogischen Profils an Beispielschulen - Medienkompetenz und Medienpädagogik sollen Bestandteile der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung werden. Seit Erscheinen der Denkschrift hat sich in Nordrhein-Westfalen schon Einiges in diese Richtung getan, so etwa die Schaffung eines Bildungsservers oder die Ausbildung von Moderatoren zur Begleitung des Vorhabens „Schulen ans Netz". Bleibt zu hoffen, daß diese erfreulichen Ansätze nicht dem Rotstift zum Opfer fallen. (wsk)

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Lernarrangements und Bildungsmarketing für multimediales Lernen Berichte aus der Bildungspraxis, herausgegeben von Gerhard Zimmer und Heinz Holz, aus der Reihe "Multimediales Lernen in der Berufsbildung" BW Bildung und Wissen, Verlag und Software GmbH, Nürnberg 1996, ISBN 3-8214-7017-8, 324 Seiten, 44,80 DM

Ausgehend von der traditionellen Asymmetrie von Lehren und Lernen - d.h. den zwei Fragen: Wie kann einem Lernenden das vermittelt werden, was er früher oder später braucht? und: Wie kann ein Lernender das Wissen und Können erwerben, das er braucht? - kommt der Autor in der Einführung zu dem Ergebnis, daß diese Asymmetrie durch Arbeitsaufgaben aufgehoben werden muß. Arbeitsaufgaben haben für multimediale Lernarrangements eine zentrale Bedeutung. Bereits in der Konzeption aufgabenorientierter Lernarrangements ist die Anordnung von Lernhandlungen entscheidend, und sie sind zentrale konzeptionelle Bestandteile eines Lernarrangements. Zu den Konstruktionsprinzipien multimedialer Lernsysteme gehört demnach: - daß multimediale interaktive Lernsysteme für die Bewältigung mehr oder weniger umfangreicher Arbeits-aufgaben konzipiert sein müssen, - daß alles erforderliche Wissen auf verschiedenen Niveaus für die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in multimedialer bzw. multisymbolischer interaktiver Qualität bereit zu stellen ist, - daß nicht nur Software-Werkzeuge für die Planung, Durchführung und Kontrolle der Bearbeitung der Aufgaben enthalten sein dürfen, sondern auch Simulationen zum Training der Entscheidungsfähigkeit bzw. für die Abschätzung der möglichen Folgen des Handelns im Ernstfall, - daß sie Software-Werkzeuge enthalten müssen für die Herstellung tele-kommunikativer und tele-kooperativer Beziehungen zu anderen Lernenden und für die Darstellung und Speicherung eigener Erfahrungen und Erkenntnisse.

Teil I -Lernarrangements- beinhaltet hierzu 11 Beiträge: Gestaltung multimedialer Lernarrangements im Kontext betrieblicher Veränderungen, Elemente erfolgreicher Lernarrangements mit Computer-Based Training in mittelständischen Unternehmen, Die neuere fachdidaktisch-methodische Diskussion in der Berufspädagogik und ihre Implikationen für multimediale Lernarrangements, Evaluation zur Gestaltung einer Lernumgebung, Einbettung von Computer-Based Training in integrierende Lernarrangements in Betrieb, Bildungszentrum und Lernstudio, Computerunterstützte Lernarrangements in der metalltechnischen Grundbildung, Konzeption und Realisierung von Lernumgebungen mit interaktiven Medien bei betriebswirtschaftlichen Themen, Konzeption und Realisierung multimedialer Lernarrangements - das Beispiel "Informations- und Kommunikationstechniken zur Betriebsführung im Handwerk", Qualifizierung zur Gestaltung von Lernarrangements in der betrieblichen Praxis - ein interaktives Lernprogramm für Lehrlingsbetreuer, Multimediale Lernarrangements für berufliche Schulen, Entwicklung multimedialer Lernumgebungen für die berufliche Ausbildung - Überlegungen zur Zusammensetzung des Entwicklungsteams.

Zum aktuell diskutierten "Bildungsmarketing" liefert der Teil II des Bandes 5 Beiträge, in denen theoretische Überlegungen und praktische Beispiele vorgestellt werden. Bildungsmarketing versus Pädagogik - kritische Anmerkungen zu einem Spannungsverhältnis, Marketing von Bildungsdienstleistungen am Beispiel des Modellversuchs "MML" - Qualifizierung des Bildungspersonals für die Nutzung mutlimedialer Lernsysteme, Strategien des Bildungsmarketings zur langfristigen Implementierung neuer Lernformen in Bildungsangebote, Bildungsmarketing auf europäischer Ebene am Beispiel des Modellversuchs "COALA- computergestütztes arbeitsplatznahes Lernen von An- und Ungelernten, Chancen und Grenzen von Bildungsmarketing in Modellversuchen. Im Anhang befindet sich eine Übersicht über Modellversuche zum multimedialen Lernen. (rr)

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