Modellprojekte

Behandlung der Telekommunikation im Rahmen der informations- und kommunikationstechnologischen Bildung
Neue Lern- und Organisationsformen in der Weiterbildung
COSA - "Computergestützte Sachbearbeitung in der bürowirtschaftlichen Ausbildung

Nachtrag:

Wir hatten in der Ausgabe 8 vom Dezember 1995 über den hessischen Modellversuch "Einsatz neuer Technologien in der Berufsausbildung lernbehinderter Jugendlicher - Ausbildung zu Werkzeugmaschinenspaner/innen" berichtet. Wir möchten auf die damals angekündigte Literatur zum Modellprojekt hinweisen:

Eduard W. Kleber/Roland Stein: Die Ausbildung zu WerkzeugmaschinenspanerInnen, Berlin 1996 (nach einer Notiz in der bibbmail ab Mai 96 erhältlich)

Roland Stein: Beiträge humanistischer Pädagogik für die technische Berufsausbildung bei Lernbeeinträchtigungen. 1996 (in Vorbereitung)


Modellprojekt 1

Behandlung der Telekommunikation im Rahmen der informations- und kommunikationstechnologischen Bildung (Niedersachen)

In Niedersachen sind (von 1990-1993) verschiedene Telekommunikationssysteme ausprobiert und einige Unterrichtsprojekte entwickelt worden. Neben BTX/Datex-J hat man mit dem amerikanischen AT&T Learning Network, dem britischen Campus 2000 und dem französischen Teletel gearbeitet. Außerdem wurde ein eigenes Mailboxsystem entwickelt -das niedersächsische Schulnetz (NSN) - [vgl. Computer-Magazin Nr. 7 vom Juni 1995] unter Nutzung der Fido-Technologie eingerichtet und erprobt. Das NSN erlaubt auch einen einfachen Internet-Zugang für elektronische Post. Als Nachteil wird allerdings gesehen, daß keine Online-Kommunikation möglich ist und der Datenbestand im Netz pädagogisch überarbeitet werden müßte. - vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hg.): Neue Technologien und Allgemeinbildung, Bd. 26: Telekommunikation - Anregungen für den Unterricht, Hannover 1994.

Besonderer Schwerpunkt der im Rahmen des Modellversuches durchgeführten Projekte lag in den internationalen, globalen Aspekten der Telekommunikation. So wurden z.B. Informationen über die beteiligten Schulen zusammengetragen oder ein Projekt zum Thema "Energieverbrauch und -versorgung in Europa" durchgeführt. Somit wurde eine Art "Interkultureller Bildung" gefördert.

Als Ergebnis dieses Modellprojektes wurde festgehalten:

"Die Schülerinnen und Schüler haben Anwendungsfelder der Telekommunikation kennengelernt und Fertigkeiten im Umgang mit den Medien der Informations- und Kommunikationstechniken erworben, dabei Kenntnisse über Grundlagen und Grundstrukturen sowie über die historische Entwicklung der Telekommunikation erlangt und vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen und dieses Wissens die sichtbaren und denkbaren Auswirkungen der Informations- und Kommunikationstechniken reflektiert." (ebd.)

(Diese Beschreibungen sind entnommen: Beratungsstelle für Neue Technologien - BfNT -im nordrhein-westfälischen Landesinstitut für Schule und Weiterbildung - Soest - "Telekommunikation in der Schule", Dezember 1995)


Modellprojekt 2

Neue Lern- und Organisationsformen in der Weiterbildung

Laufzeit: 1. November 1993 bis 30. April 1997

Durchführungsträger: IHK-Bildungshaus Grunbach der IHK Region Stuttgart, Goethestr. 31, 73630 Remshalden. Hanspeter Erne, Projektleitung, Detlef Carstensen, Projektbetreuung, T 07151-709521 F 07151-709595

Wissenschaftliche Begleitung: Institut für Personalförderung und Organisationsentwicklung, IPOS GmbH, Gartenstr. 1, 68723 Schwetzingen, Werner Rung, Christiane Auer.

Fachliche Betreuung: Bundesinstitut für Berufsbildung, Berlin, Dr. Ernst Ross.

Finanzielle Förderung: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des Landes Baden-Württemberg

Das Modellprojekt berücksichtigt folgende Faktoren einer zukunftsorientierten Weiterbildung:

"Just in Time", also kurzfristig verfügbar.

"Zeitlich und räumlich flexibel", je nach den Anforderungen und Möglichkeiten des Lerners und der Unternehmen.

"Selbstorganisiert und handlungsorientiert". Die weitgehend selbständige Aneignung von Wissen steht im Vordergrund, nicht die passive Aufnahme eines vorgegebenen Lehrstoffes.

"Aufgaben- und arbeitsplatzorientiert", Deckung des aktuellen Lernbedarfs statt Lernen auf Vorrat.

"Multimedial". Alle technischen Möglichkeiten zur Aneignung von Wissen müssen genutzt werden.. Vor allen neue Lerntechnologien wie interaktive Computerlernprogramme mit Film, Ton und Animation bieten die Chance, das Lernen flexibler zu gestalten.

Vor diesem Hintergrund hat das Modellprojekt folgende Schwerpunkte:

"Recherche und Bewertung von Lernprogrammen" im Bereich der Automatisierungstechnik; "Entwicklung von Lernkonzeptionen", in denen CBTs (Computer-Lernprogramme) eingeschlossen sind; "Einrichtung und Nutzung eines Lernstudios" - im Lernstudio stehen nicht nur Multimedia-Stationen zur Bearbeitung von Lernprogrammen zur Verfügung, sondern es sind auch direkte Anwendungen und Übungsaufbauten an Lehraggregaten möglich; "Erprobung eines Weiterbildungsverbundes" - in Zusammenarbeit mit Betrieben sollen Lernkonzeptionen für die betrieblichen Anforderungen und Bedingungen entwickelt und in einem Lernortverbund Bildungsträger-Betrieb erprobt werden.

In einem Faltblatt vom September 1995 (auf das wir uns hier beziehen) werden erste Arbeitsergebnisse vorgestellt. Da für den Einsatz neuer Medien die Qualität der Lernprogramme mitentscheidend ist, wurden ca. 200 Programme aus dem Bereich der Automatisierungstechnik von Fach- und Medienexperten gesichtet, bewertet und in einer CBT-Datenbank festgehalten. Erste Erprobungen und Fallstudien zeigen, daß die für eine Pilotmaßnahme vorgesehenen CBTs selbstgesteuertes Lernen mit einem hohen Anteil an Problem- und Handlungsorientierung ermöglichen. Ein weiteres wesentliches Zwischenergebnis des Modellprojektes ist die Erkenntnis, daß sich die Lerner auf keinen Fall alleingelassen fühlen dürfen. Es muß ein Ansprechpartner (Tutor) in der Nähe sein, der bei Lernproblemen weiterhilft. Dabei ist geplant, Lerner, die bestimmte Lernschritte bereits absolviert haben, als Tutoren einzusetzen. Aus lernpsychologischer Sicht ist dies für den Tutor ideal, denn nichts festigt das eigene Wissen mehr als die Vermittlung an andere.

Im Modellprojekt wird eine besondere Lernkonzeption "Automatisierungstechnik" entwickelt. Das Qualifizierungskonzept sieht einen Wechsel zwischen den Lernphasen "Lernen im Seminar", "Informieren durch selbstorganisiertes Lernen im Lernstudio" und "Lernen am Arbeitsplatz" vor.

Zu folgenden Themen (Stand: 9/95) können im Lernstudio CBTs und Simulationsprogramme bearbeitet werden:

Elektro- und Steuerungstechnik, Fertigungstechnik, EDV und Betriebswirtschaft sowie Arbeitstechniken wie Denken-Lernen-Behalten oder auch Projektmanagement. (wsk)


Modellprojekt 3

COSA - "Computergestützte Sachbearbeitung in der bürowirtschaftlichen Ausbildung - Neue Formen und Inhalte dezentralen Lernens im kaufmännisch-verwaltenden Bereich"

Durchführungträger: Preussag Stahl AG, Berufliche Bildung, Reinhard G. Hapke, Eisenhüttenstr. 99, 38223 Salzgitter, Projektteam: Manfred Niemeyer, Dagmar Reulecke, Birgit Schwalenberg, Kai Magerkord

Kooperationspartner: IG Metall, Frankfurt, Dr. Michael Ehrke

Wissenschaftliche Begleitung: Arbeitsgemeinschaft Berufliche Bildung, FU-Berlin, Institut für Arbeits- und Berufspädagogik, Günter Hartmann

Fachliche Betreuung: Bundesinstitut für Berufsbildung, Ingrid Stiller

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie: D 0097.00 / D0097.00 B

Vorrangige Zielgruppe dieses Modellprojektes war der Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation.

Vor dem Hintergrund notwendiger Innovationsimpulse enthält das pädagogische Rahmenkonzept für das COSA-Ausbildungsmodell vier Strukturkomponenten, die zugleich als Entwicklungsmodule für den Modellversuch zu sehen sind:

CGS-/Multimedia-Lernstudio
Dezentrales betriebliches Lernen
Kooperation
Ausbilderinnen und Ausbilder

Dieses Rahmenkonzept ist geleitet von Idee der notwendigen Entwicklung von beruflicher Handlungskompetenz, die sich aus den vier Dimensionen: Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Ich-Kompetenz ergibt. Die berufliche Handlungskompetenz ..."soll durchgängig während der gesamten Ausbildung mit neuen (oder zumindest in diesem Ausbildungsbereich neuen) Methoden und Sozialformen der Ausbildung und auch mit neuen Medien gefördert werden". (aus der von PREUSSAG STAHL herausgegeben Gesamtkonzeption, o.J., S.9)

Dazu wurde die COSA-Ausbildung als "Lernorte-Netzwerk mit Experimentierchancen" angelegt mit den beiden Säulen Studioausbildung (zentrales Lernen) und Abteilungsausbildung (dezentrales Lernen). Konkret sieht dieses Netzwerk folgendermaßen aus:

CGS/Multimedia-Lernstudio
Vernetzungsstellen mit CGS-Lerninseln, die in den Abteilungen, die als Vernetzungsstellen fungieren, aufgebaut werden
Vernetzungsstellen ohne CGS
(CGS = computergestützte Sachbearbeitung)

In Fortsetzung und Erweiterung der Lernstudio-Tradition der Preussag Stahl AG wurde die Konzeption eines CGS/Multimedia-Lernstudios entwickelt. Dieses Lernstudio hat drei Aufgaben:

- es ist Entwicklungszentrum für neue Ausbildungsinhalte und Ausbildungsmittel

- es dient der Grundbildung, vermittelt Sockelqualifikationen handlungsorientiert und praxisgerecht

- es versteht sich als Datenverarbeitungs- und Organisationsentwicklungs-Labor, als Lernstatt "Zukunft". Hier sollen Methoden wie Gruppen- und Projektarbeit umgesetzt werden.

Im Lernstudio wird auf Medienvielfalt gesetzt und ein videounterstützter Unterricht mit dem Einsatz von computergestützten Informations- und Trainingssystemen (CBT) kombiniert. Diese interaktiven Lernprogramme beziehen sich in erster Linie auf die erforderliche Standardsoftware wie etwa WINWORD oder EXCEL, aber auch auf die großrechnergestützte Branchensoftware. Im weiteren kommt ein CD-ROM-Einsatz für den Erwerb der Grundlagenqualifikationen (DOS-Grundlagen, Datenverarbeitungs-Grundlagen, Sprachtraining) in Frage.

Des weiteren ist ein Teil der betrieblichen Leittexte auf CD-ROM gebracht und damit dem individuellen Lernen zugänglich gemacht worden. Hier ging es vor allem darum, den Gesamtüberblick und die Einbindung der Abteilung in das Gesamtunternehmen audiovisuell darzustellen.

Dabei war eine wichtige Erkenntnis des Modellprojektes, daß multimediales Lernen immer im Zusammenhang mit personalen Vermittlungsprozessen eingesetzt werden soll. Lernen sei auch Kommunikation. Um der Gefahr, daß rein mediales Lernen zu individuell isoliertem Lernen führen könnte, entgegenzuwirken, hätten sich zwei Maßnahmen als wirkungsvoll erwiesen:

-Ausbilder/innen und Lehrer/innen müßten ihre Rolle aktiv in Richtung der Moderation von Lernprozessen verändern, weg von der primären Vermittlung immer gleicher Lerninhalte, hin zur Vermittlung innovativer Qualifikationen

-Initiierung und Förderung der Selbstorganisation von Lerngruppen (Konzept, S. 30) (wsk)



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