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Kollege (?) Roboter
Access 2.0 - Lernen mit Aufgaben, Anleitung mit Manual und Augabenheft
Lernen in der Informationsgesellschaft - Informelle Bildung durch Computer und Medien

Kollege (?) Roboter

Reihe: "Informations- und kommunikationstechnologische Grundbildung in Schulen für Lernbehinderte und in Schulen für Erziehungshilfe" (GRISO), hrsg. vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung, Soest, Bearbeiter : Helmut Fink, Bernhard Leiteritz, Dr. Vlastimil Polák, 105 Seiten, 1. Auflage 1990.

Wir möchten mit der Vorstellung dieses Buches auf eine weitere Transfer-Dokumentation des Modellversuches GRISO hinweisen, der von 1987-1990 in Nordrhein-Westfalen stattfand. (Im Computer-Magazin Nr. 7 vom Juni 1995 haben wir bereits die Broschüre "Die neue Fabrik" vorgestellt.) Bei der zweiten Veröffentlichung handelt es sich ebenfalls um eine projektorientierte Unterrichtseinheit, die im Modellversuch entwickelt wurde. Angesiedelt ist die Unterrichtseinheit im Lernfeld Prozeßdatenverarbeitung.

"Ausgehend vom sachstrukturellen Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler bezüglich des Einsatzes von Industrierobotern am Arbeitsplatz, sollen die Heranwachsenden auf die sich im raschen Tempo vollziehenden Veränderungen der Lebenswirklichkeit vorbereitet werden. Sie sollen zu einer kritisch-rationalen Einstellung zur 'Robotik' als der herausragenden Technik der Automation in der Produktion befähigt werden. Der Unterrichtsverlauf wurde unter Beachtung der Fähigkeiten und Fertigkeiten, der speziellen Lernbedingungen und der kommunikativen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler der Schule für Lernbehinderte und der Schule für Erziehungshilfe konzipiert und nach gründlicher Erprobung überarbeitet." (aus dem Vorwort). Ziel der Unterrichtseinheit ist, eine umfassende Einführung in das Thema zu geben, d.h. nicht nur den theoretischen Hintergrund auszuleuchten und didaktisch-methodisches Konzept zu erarbeiten, sondern durch den Bau eines einfachen Robotermodells die praktisch-konkrete Umsetzung vorzunehmen.

Aus Inhaltsverzeichnis des Buches:

Sachanalyse: Automation und Rationalisierung, Exkurs: Historische Entwicklung der Automatisierungstechnik: Mensch-Maschine, Industrieroboter - heute und morgen, Auswirkungen des Industrierobotereinsatzes

Didaktisch-methodische Anmerkungen: Industrieroboter als Thema für eine Unterrichtseinheit, Bausatz oder Fertigmodell?

Vorschläge zur Durchführung der Unterrichtseinheit:

Technische Realisation: Hard- und Softwarevoraussetzungen, Verwendung des Fertigmodells, Bau eines einfachen Robotermodells (Bausatzmodell). Bauanleitung, Handsteuerung des Bausatzmodelles.

Anhang: Installation und Kurzbeschreibung der Programmierumgebung "ROBOT", Bauanleitung eines Robotermodells für Schülerinnen und Schüler (Kopiervorlage), Materialien/Arbeitsblätter, Hinweise auf AV-Medien, Bezugsquellen für das verwendete Material.

Literatur

Werfen wir noch einen Blick auf die im Modellversuch verwendete Hard- und Software. Experimentiert wurde mit einem Bausatzmodell von fischertechnik sowie einem Fertigmodell der Firma Learnware. Die Verbindung zum Computer erfolgt über ein OKTO-BUS Interface bzw. einem ak-tronic Interface. Bei der eingesetzten Software "ROBOT" handelt es sich um eine im Modellversuch entwickeltes Programmiersystem, das aus Systembefehlen zum 'Bedienen' des Systems und aus Programmierbefehlen zum Schreiben von Steuerungs- und Regelungsprogrammen besteht.

Die Tatsache, daß diese Unterrichtseinheit für projektorientierten Einsatz konzipiert wurden, macht sie auch für BüE (Berufsausbildung in überbetrieblichen Einrichtungen) und abH interessant. Ein ingesamt anschauliches und praxisorientiertes Buch. (wsk)


Kerstin Rieder/Wiebke Stelling/Daniela Ulber unter Mitarbeit von Rainer Oesterreich, Georg Urban, Ferdinand Reubel und Bernd de Boer -Access 2.0 - Lernen mit Aufgaben, Anleitung mit Manual und Augabenheft: Datenbankschema, Berichte und Datenbanksicherung an praxisnahen Beispielen üben, 1995, 184 Seiten plus Diskette (enthält Übungsdatenbanken und Lösungen) ISBN 3-86172-077-9, EDV Lehrbuch Verlag Lutz Hunger GmbH, Berlin

Der ein oder die andere wird sich vielleicht wundern, warum wir hier ein solches Buch vorstellen. Der Hintergrund ist, daß diese aufgabenorientierte Anleitung zum Erlernen einer Standard-Datenbank-Software in einem Projekt entwickelt wurde, an dem benachteiligte Auszubildende teilnahmen. Das Forschungsprojekt ADAM (Adaption der aufgabenorientierten Qualifizierungsmethodik) fand an der Technischen Universität Berlin im Auftrag von und in Kooperation mit dem Walter Friedländer Bildungswerk der Arbeiterwohlfahrt in Berlin statt. Die Arbeit wurde durch den Sozialfond der Europäischen Gemeinschaft über das Konsortium ATRIUM gefördert. Neben dem Bürobereich des Bildungswerkes waren an der Erprobung des Kurskonzeptes verschiedene Betriebe sowie ein Unterrichtsstudio beteiligt. Die wissenschaftliche Begleitung des Institut für Humanwissenschaft in Arbeit und Ausbildung an der TU Berlin entwickelte ein Konzept zur Gestaltung von Qualifizierungsprozessen und auch dessen Ansätze zum "Handeln-Lernen" waren wesentliche Grundlagen in der Entwicklung des Projektes ADAM.

Ziel des Buches es ist, den Umgang mit der Datenbanksoftware Access zu vermitteln, in dem eine Reihe von Lernaufgaben durchgearbeitet werden . Im Rahmen dieser Aufgaben wird nach und nach eine Datenbank für den Vertrieb einer fiktiven Firma, der "Spiel-GmbH" aufgebaut. Die "Spiel-GmbH" produziert Brettspiele und vertreibt sie. Bisher wird der Vertrieb der Spiele noch ohne Computer abgewickelt. Mit dem Einsatz von Access soll ermöglicht werden, Angebote an potentielle Kunden zu erstellen und auszudrucken, Aufträge zu bearbeiten und Kundenanfragen zu beantworten. Im Manual wird jeweils erklärt, wie die in den Aufgaben geforderten Schritte mit Access umgesetzt werden.

Das Kurskonzept basiert auf handlungstheoretischen Überlegungen zum Lernen. Im Unterschied zu vielen herkömmlichen Anleitungen werden nicht einzelne Programmfunktionen geübt. Statt dessen enthält bereits die erste Aufgabe alle wichtigen Funktionen und resultiert in einem vollständigen Arbeitsergebnis. In diesem Sinne ermöglicht das Konzept ganzheitliches Lernen. Um dies zu gewährleisten, wurden die Lernaufgaben auf der Grundlage von Untersuchungen an Arbeitsplätzen im kaufmännischen Bereich konzipiert. Die Schwierigkeit der Aufgaben wird schrittweise gesteigert. Aufgaben und Manual wurden in mehreren Kursen in der kaufmännischen Ausbildung und in der Weiterbildung erfolgreich erprobt.

Ein interessantes Buch, das für die Arbeit mit Auszubildenden aus kaufmännischen Berufen im Rahmen der ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) Impulse geben kann.

Der aufgabenorientierte Ansatz hat mittlerweile auch Eingang gefunden in die Fort- und Weiterbildung der Benachteiligtenförderung des heidelberger institut beruf und arbeit (hiba). In einem abH-Fortbildungsseminar im September 1995 mit dem Titel: "EDV-Anwendung in der kaufmännischen Berufsausbildung - Vorbereitung auf die praktische Prüfung", das bundesweit ausgeschrieben war (Teamerin: Angelika Herzog, Teamer: Bernd de Boer) wurde aufgabenorientiert an Hand abgelegter Abschlußprüfungen mit WORD und EXCEL gearbeitet. 1996 wird eine weitere Fortbildungsveranstaltung - diesmal zur Datenbanksoftware Access stattfinden.(wsk)


Claus J. Tully, Lernen in der Informationsgesellschaft - Informelle Bildung durch Computer und Medien, 1994, 352 Seiten, 49 DM. Westdeutscher Verlag, ISBN 3-531-12598-2

Der Autor, Sozialforscher am Deutschen Jugendinstitut in München mit Schwerpunkt Jugend-, Organisations-, Bildungs- und Industriesoziologie sowie Medienforschung, beschäftigt sich in diesem Buch mit der Herausbildung neuer Lernformen und veränderter Qualifikationsanforderungen durch neue Technologien. Sozialisation für Technik und Lernorganisation sind deshalb zentrale Aspekte. Das Zusammenspiel von Lernorganisation und Lernen für den Umgang mit neuen Technologien läßt sich über ein Konzept zur Computerkompetenz abbilden, das Tully in seinem Buch entwickelt. Dabei setzt sich der Autor kritisch mit dem bildungspolitischen Ansatz aus der Mitte der 80er Jahre auseinander, wonach der Schule die Aufgabe zufallen sollte, Träger dieser Modernisierung zu sein bzw. zu werden. Der vielerorts geäußerten Kritik, daß die Schule diesem Auftrag nicht nachkomme, hält Tully entgegen, daß sie diesen Auftrag garnicht haben könne. Ein Ergebnis seines Buches ist, "daß Schulen sich zur Vermittlung und Aneignung sozialer Sensibilität und zur Anleitung für Grundwissen über den Computer eignen." Heute, unter dem Eindruck der neuen Medien, komme dagegen der außerschulisch organisierten - also der informellen Wissensvermittlung größeres Gewicht zu. Dynamik und Vielfalt seien mit ein Grund dafür, daß Fähigkeiten und Fertigkeiten der Computertechnologie weder antizipierbar noch im Kanon des geordneten Schulwesens vermittelt werden könnten.

Diese Leitidee kann Tully durch seine empirischen, erziehungswissenschaftlichen und organisationssoziologischen Untersuchungen stützen und plausibel entwickeln.

Werfen wir einen Blick auf die einzelnen Kapitel des Buches:

Sehr ausführlich beschäftigt sich Tully mit der Bedeutung der ITG (informationstechnische Grundbildung) im allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulwesen.

Bei den informellen Angeboten beschäftigt sich der Autor mit dem Anbieter Volkshochschule, Computerprojekten in der Jugendarbeit, Computerbüchern und -zeitschriften, dem Stand der Angebote an Lernsoftware (CBT), Computer, Lernen und Fernsehen.

Ein informatives Buch, dem es zudem gelingt, auch gesellschaftstheoretisch dichte Zusammenhänge in einer verständlichen und klaren Sprache zu vermitteln.

(wsk)




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